Messer, Gabel, Schere, Licht…

title_ohm

Ich suche ein „Ohm-Messer“, das wo meine Verdampfer messen kann. Ich will auch so große Wolken machen, wie die alle und WILL ungeregelt 0.015 Ω dampfen. Womit mess ich denn das? Soll nicht teuer sein!

So oder so ähnlich wird immer wieder an den verschiedensten Stellen in der Community gefragt. Und häufig kommt dann die Antwort, man solle doch dieses oder jenes Ohm-Meter verwenden (immerhin schon mal eine bessere Wortwahl), das habe doch zwei Stellen hinter dem Komma und würde schon bei Cloud-Chasing-Events verwendet. Ein paar, die wirklich wissen, was Ohm, Volt, Ampere, Watt sind, versuchen dann zu erläutern, wie man den Widerstand besser und genauer mit einem hochwertigen und auch teuren Multimeter bestimmen kann… ganz selten werden sogar wirklich relativ genaue Messverfahren erläutert.
Leider ist letzteres nicht das, was die Fragesteller hören wollen. Sie denken eher an eine kleine Schachtel für 10 bis 20 Euro… das wird schon genügen. Und die Verweise auf diese Geräte in Verbindung mit den angestrebten Widerstands-Bereichen sorgen dafür, dass ich die Falten auf meiner Stirn inzwischen auch schon im Spiegel sehen kann, selbst wenn ich nicht an solche Dinge denke.

Vor ein paar Wochen stolperte ich wieder einmal über solch einen Thread und im Endeffekt hat der Fragesteller nicht verstanden, weshalb ich mich skeptisch zu diesen Ohm-Metern geäußert habe. Immerhin habe die Anzeige doch zwei Stellen hinter dem Komma. Das sei es doch genau genug, wenn man 0.04 Ω wickeln wolle. Auch mein Hinweis darauf, dass mein alter Renault Kangoo Diesel mit 64 PS auf dem Tacho 220 km/h zu stehen habe, wurde nicht so verstanden, wie ich es gemeint habe.
Jedenfalls wurde in dem Thread auf ein Ohm-Meter von „Fast-Echt“ verwiesen, das wohl oft für Messungen in diesem Bereich eingesetzt würde und welches mit einer Messgenauigkeit von 0.01 Ω angepriesen würde.
Es handelt sich um eine keine silberne Schachtel (https://www.fasttech.com/products/1721500), die gerade mal knapp 11 Euro kostet. Puuuh… ein Gehäuse, Anschlüsse, ein paar Chips, ein Akku… für 11 Euro… und das soll in der Genauigkeit mit einem Multimeter mithalten, welches für diese Genauigkeit nicht unter 170 Euro zu bekommen ist? Die Stirn – die Falten!
Da aber immer wieder gesagt wurde, das sei schon so genau, habe ich mir das Gerät einmal geordert und es von jemanden mit halbwegs vernünftiger Ausrüstung überprüfen lassen.

ohmmeter

Vorweg gesagt: Es wurden keine echten Labor-Messungen durchgeführt, jedoch schon recht anständige Voraussetzungen geschaffen, um die Genauigkeit des Gerätes halbwegs abschätzen zu können.

Als Referenz-Widerstände wurden Messwiderstände von Isabellenhütte verwendet, die mit einer Genauigkeit von 0.5 % angegeben sind. Diese wurden in einem Quasar-Sockel installiert. Für die Nutzung mit dem Prüfgerät wurde ein eGo-Anschluss mit Mess-Schnüren versehen (gelötet).
Bei dem Mess-/Prüfgerät handelte es sich um ein GW Instek LCR-819, ein digitales Prüfgerät, welches einen Widerstands-Messbereich von 0.00001 Ω (10 µΩ)  – 99999 kΩ (99.999 MΩ) bei einer Grund-Genauigkeit von ± 0.05 % aufweist. Das ist schon ein recht vernünftiges Gerät, welches sich wohl kaum ein Dampfer ausschließlich für die Messung von Verdampfer-Widerständen anschaffen wird.
Für einen „Kurzschluss“ wurde der Verdampfer-Sockel schließlich mit 1 cm Silberdraht 0.2 mm versehen. Damit konnte der Eigenwiderstand von Sockel, Anschluss, Mess-Strippen zuzüglich Übergangswiderstand zwischen Verdampfer und Sockel auf 0.018  Ω bestimmt werden, wenn man den rechnerischen Widerstand des Silberdrahtes als Grundlage nimmt.

Und hier nun die Tabelle mit den Messergebnissen:

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Nun, das hat mich dann doch sogar recht positiv überrascht. Ich hätte mit deutlich schlechteren Ergebnissen gerechnet. Die durchschnittliche Abweichung berägt + 0.0277  Ω, wobei die Abweichungen nicht konstant sind (was sicherlich auch anderen Faktoren – z. B. Übergangswiderstand am Anschluss je nach Festigkeit des Aufschraubens – geschuldet sein dürfte). Prozentual macht sich die Abweichung bei geringeren Widerständen selbstverständlich stärker bemerkbar.

Generell lässt sich behaupten, dass das Ohm-Meter etwas höhere Widerstände anzeigt, als tatsächlich gegeben. Dies sollte man in jedem Fall im Hinterkopf behalten, wenn man sich in die Tiefen des SubSubOhm- oder gar SubSubSubOhm-Dampfens wagt. Bei diesen niedrigen Widerständen ist das immer ein Tanz auf Messers Schneide und nur ein Haar breit vom Kurzschluss entfernt.

Für den SubOhm-Bereich, den ich für mich für 0.9 bis 0.1 Ω definiere, ist das Schächtelchen aber recht gut zu gebrauchen. Wenn man das dann in Relation zum Preis setzt, kann ich tatsächlich eine Kaufempfehlung aussprechen. Die Verarbeitung ist ziemlich gut, es ist sogar recht solide und der 510er Anschluss gehört zu ausgesprochen stabilen Vertretern seiner Art.

Ich werde das Dingen jedenfalls behalten und einsetzen, denn meine Wicklungen liegen bei minimal 0. 7 oder 0.6 Ω. Und für die Nutzung mit meinen inzwischen auf drei angewachsenen LiFePO4-Kombis ist er auch noch genau genug. Die wickle ich auf 0.5 bis 0.3 Ω um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen.

Also nochmal: Das Ohm-Meter ist erstaunlich genau und zuverlässig. Bei ganz extrem niederohmigen Settings sollte man aber die Abweichungen im Hinterkopf behalten, weil man sich da in Bereichen herumtreibt, die ohnehin schon kritisch sind. Für einen ungefähren Anhaltspunkt erachte ich es auch da als geeignet, aber den gemessenen Widerstand sollte man nicht als „in Felsen gemeißelt“ annehmen und propagieren.

Einen hab ich noch… die Messwerte gelten für das Gerät, welches ich von „Fast-Echt“ bezogen habe. Leider ist es dort ja öfter so, dass die Hersteller variieren, weswegen zumindest die Gefahr besteht, dass das Gerät, welches man zu einem anderen Zeitpunkt von dort bezieht, wieder ganz andere Eigenschaften und Genauigkeiten aufweisen könnte. Die Messungen haben gezeigt, dass sehr viele Faktoren in die Ergebnisse mit hineinspielen… und das gilt selbstverständlich auch für die Faktoren im Inneren einer solchen Box.

 

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