Dunkel war’s, der Mond schien helle,

dunkelwars

schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Dampfer blitzesschnelle,
langsam durch das Darknet fuhr.

Nun wissen wir ja doch so ziemlich genau, was auf uns Dampfer zukommt. Das BMEL hat ja ganz klar geäußert, dass das Dampfen wirklich tot reguliert werden soll. Also bleibt nur der Gang durch die Instanzen, der lang und beschwerlich sein kann. Ich sehe da zwar Licht am Ende des Tunnels, aber das ist verdammt weit weg. Bis wir dann vielleicht in etlichen Monaten (oder Jahren?) sagen können: „Alles wird gut“, besteht die große Gefahr, dass das Dampfen quasi „verschwindet“ bzw. nur noch eine Randerscheinung von einigen „Unverbesserlichen“ bleibt. Und auch für diese könnte es beschwerlich werden.

Viel schlimmer jedoch wird es für diejenigen sein, die noch gar nicht den Sprung vom Tabakrauchen zum Dampfen geschafft haben oder die gerade erst umgestiegen sind. Vermutlich wird es auch weiterhin möglich sein, irgendwie mit legalen Geräten und Liquids zu dampfen, aber der geplante Dolchstoß des totalen Aromaverbots würde trotzdem das Aus bedeuten. Allerdings sind wir Dampfer ja auch nicht auf den Kopf gefallen. Schon vor etlichen Jahren, als die Vielfalt bei weitem noch nicht so groß war, gab es doch eine Menge Dampfer. Man hat sich halt in vielen Bereichen selbst geholfen. Da wurden alte Verdampferköpfe zerrupft und neu gewickelt, es gab Selbstbauprojekte, in denen Selbstwickelverdampfer und sogar geregelte Akkuträger gebastelt wurden… und es wurde auch fleißig gemischt und aromatisiert.

Nun, diese Zeiten werden wohl wieder auf uns zukommen… und auch interessierte Umsteigewillige werden sich in einer vergleichbaren Situation befinden.

Daher ist es erforderlich, entsprechende Informationen zugänglich zu machen, ohne dass es so ganz offensichtlich ist.

Was z. B. das Aromenverbot anbelangt… na logisch ist es nicht besonders schwierig, seine neutralen Liquids (die man ja noch fingerhutgroß legal erwerben kann) selbst zu aromatisieren. Aber machen wir uns nichts vor… die jetzigen Hersteller und Anbieter von Aromen werden diese nicht mehr hoch-offiziell als „Dampferaromen“ verticken können. Und sehr viele Aromahersteller haben zwar das Nebengeschäft mit den Dampfern gerne abgeerntet, werden sich aber nicht krumm machen, uns ihr Warenangebot noch irgendwie passend anzubieten. Also werden wir selbst schauen müssen, welche Aromen wir denn letztlich kaufen und verwenden können. Da kommt es auf Informationen und (legale) Quellen an. Wir wissen ja, dass nicht jedes Aroma zum Dampfen geeignet ist (also besser nicht das Bittermandelaroma aus der Backabteilung zur Kreation des Marzipan-Liquids verwenden), weshalb es nötig wird, entsprechend geeignete Produkte auf dem Markt zu finden und mit Bezugsquellen zu teilen. Das aber sollte tunlichst nicht prominent und ganz öffentlich im Internet passieren, denn ich trauen den ANTZ inzwischen jede noch so dreckige Handlung zu… nicht dass die noch auf komische Ideen kommen und den Aromaherstellern bzw. Aromaanbietern irgendwelche Schwierigkeiten machen.
Schadet ja auch nichts, wenn das nicht ganz so offen behandelt wird.

Oder es geht um Selbstbauprojekte… nun… niemand wird mir verbieten können, mir selbst einen Selbstwickelverdampfer mit der Schlüsselfeile aus einem Edelstahl-Rundstab zu feilen (oder zur Not auf der Hobby-Drehmaschine zu spanen… boah… das verbraucht hunderte Spanwerkzeuge, wenn‘s wirklich Edelstahl ist), aber wenn nun jemand Teile für solche Geräte auf entsprechenden Maschinen herstellt und diese zum Selbstkostenpreis an Interessierte abgeben möchte, um ein Selbstbauprojekt zu ermöglichen… nun… da kann es dann doch wieder Stress und Ärger geben. Es findet sich immer ein Anscheißer, der Spaß daran hat, uns die Sache zu vermiesen. Also auch solche Projekte sollten nicht unbedingt beim Fratzenbuch oder in einem öffentlichen Forum laufen.

Über Schwarzimporte von Geräten oder Liquid-Zutaten will ich hier erst gar nicht sprechen… das wäre ja voll fett verboten… und wir sind ja brave und anständige Bürger.

Jedenfalls hatte ich ja schon in den beiden Artikeln

Wenn es denn so kommt, wie es kommen kann…

Noch dunkler – RetroShare

darüber gesprochen, dass sich die „dunkle Seite des Netzes“ für solchen Informationsaustausch eignen könnte. Freenet, I2P und RetroShare sind ja auch fein, können jedoch auch ein wenig „frickelig“ sein. Eine sehr schöne Alternative läuft bei mir seit geraumer Zeit fast dauerhaft „im Hintergrund“: ZeroNet.

zeronetUnd genau das möchte ich hier einmal vorstellen. Ich werde meine Aktivitäten auf jeden Fall damit verwirklichen, weil es extrem unkompliziert ist (klar kann ich auch „kompliziert“… aber der Mensch ist von Natur aus bequem…). Man braucht seinen gewohnten Browser nicht umzukonfigurieren, man muss kein extra Programm nutzen um dort zu „surfen“… lediglich die Installation von ZeroNet ist notwendig (sehr simpel) und man muss ggf. den eigenen Router ein klein wenig umkonfigurieren.

Bei ZeroNet handelt es sich um ein Peer-to-Peer Netzwerk… also ein dezentrales Netzwerk ohne speziellen Server. Sämtliche Inhalte werden direkt zum Besucher übertragen, ohne dass sie auf einem zentralen Server gelagert sind. Eine Zensur ist nicht möglich, die Inhalte werden durch die Besucher weiter verteilt.

ZeroNet verwendet das BitTorrent Netzwerk und verschlüsselt die übertragenen Inhalte mit BitCoin Kryptographie… man muss sich kein Passwort merken. Es ist möglich, Multi-User-Seiten mit dynamischen Inhalt zu erzeugen (Chats, Microblogging, Foren, Blogs), die in Echtzeit aktualisiert werden. Sofern bestehende Inhalte bereits auf dem eigenen Rechner „gehostet“ sind, ist auch ein Offline-Betrieb möglich.

Um die etwas kryptischen „Web-Adressen“ bei ZeroNet zu umgehen, ist eine Namensvergabe mit .bit-Domains möglich.

ZeroNet funktioniert mit jedem modernen Browser, die Netzwerk-Software läuft unter Windows, Mac-OS und Linux.

Das Erstellen von Inhalten ist recht simpel. Von der Startseite aus kann man Demo-Seiten aufrufen und diese recht einfach klonen. Dann müssen sie nur noch mit eigenen Inhalten befüllt werden. Es gibt z. B. ein Demo-Blog, das im Browser mit Texten und Grafiken bestückt werden kann. Auch ein eigenes Forum ist recht schnell erstellt oder man bietet einen Microblogging-Dienst (ähnlich Twitter) an. Die sehr gute Dokumentation ist leider zur Zeit nur in englischer Sprache verfügbar, ist aber auch ohne perfekte Sprachkenntnisse gut zu verstehen. https://zeronet.readthedocs.org/en/latest/

Die Installation ist in kurzer Zeit erledigt… [1]

Für die Installation unter Windows muss nur das ZeroBundle heruntergeladen werden.

Das Archiv wird entpackt und man startet das Programm „zeronet.cmd“.

Auf einem Mac installiert man sich (sofern nicht schon vorhanden) Homebrew.. Dann installiert man mit

brew install python
und
pip install gevent msgpack-python

die Abhängigkeiten. Nach dem Download und dem Entpacken von ZeroNet startet man dann einfach „python zeronet.py“.

Bei Linux sollte Python bereits installiert sein. Die „passende“ Version (2.7.x) muss es sein.
Nun wir mit

wget https://bootstrap.pypa.io/get-pip.py

„pip“ heruntergeladen und anschließend

python get-pip.py –user gevent msgpack-python

ausgeführt.

Nach dem Download und dem Entpacken von ZeroNet startet man dann einfach „python zeronet.py“.

…noch einfacher haben es Debian-Benutzer (oder Nutzer von Debian-Derivaten, wie Ubuntu etc.). Die Abhängigkeiten werden mit

sudo apt-get install msgpack-python python-gevent

installiert. Das ZeroNet Archiv kann man sich auch mittels

wget https://github.com/HelloZeroNet/ZeroNet/archive/master.tar.gz

besorgen und mit

tar xvpfz master.tar.gz

entpacken… und dann kann man schon

python zeronet.py

aufrufen.

Ruft man nun im Web-Browser die ZeroNet-Startseite http://127.0.0.1:43110/ (am besten als Lesezeichen setzen), kann es auch schon losgehen.
Erlaubt der eigene Router eine Portfreigabe mittels UPnP (im Router-Programm ggf. nachschauen, ob das aktiviert werden kann), dann erfolgt die Meldung, dass der eigene Rechne im ZeroNet nun sichtbar ist. Bei einigen Routern kann es erforderlich sein, eine Portweiterleitung für 15441 einzurichten (das Manual sollte das erklären).

ZeroHello
Die Startseite bietet schon einige nette Demos und Seiten an.

Über ZeroName kann man sich einen .bit-Namen für die eigene Seite registrieren (sofern Namecoins vorhanden 😉 ).

ZeroHello ist die Startseite, auf der man sich befindet, ZeroTalk ist ein dezentrales Forum, ZeroBlog – wie der Name schon verrät – ein Blog, mit ZeroID kann man sich eine Identität registrieren, die man für verschiedene Services benötigt, ZeroBoard ist ein Microblogging-System und mit ZeroMail kann man verschlüsselte Mails (wie eMails) versenden (hierfür benötigt man die bereits erwähnte ID).

Blog, Forum, Microblogging… das sind Demo-Seiten. Will man einen entsprechenden eigenen Dienst anbieten, so klickt man rechts oben auf das Menüsymbol des Schnellstarters und wählt „clone“ aus. Schon hat man eine Kopie angelegt, einen geheimen Schlüssel erhalten und einen öffentlichen Schlüssel (quasi die ZeroNet-Webadresse, über welche die Seite erreichbar ist). Alternativ kann man sich auf die Konsole (Eingabeaufforderung… für die Windoofs-Nutzer) begeben und im ZeroNet-Verzeichnis den Befehl

zeronet.py siteCreate

eingeben. Es wird einem dann der geheime und der öffentliche Schlüssel angezeigt (notieren oder speichern).

Im ZeroNet-Verzeichnis gibt es ein Unterverzeichnis „data“, in welchem dann ein Verzeichnis für die neue Seite angelegt wird (heißt so, wie der öffentliche Schlüssel). Dort hinein kann man dann die Daten für eigene Inhalte speichern oder man kopiert den Inhalt eines anderen Verzeichnisses dort (die Seiten der Startseite liegen auch alle dort) und macht so quasi „zu Fuß“ einen Klon.

Das hört sich jetzt vielleicht alles kompliziert an… das ist aber einfacher, als man meint. Inhalte sind wirklich im Handumdrehen erstellt… und das Anschauen oder das Kommunizieren ist eh genau so einfach, wie im „normalen“ Internet. Wer also selbst nix anbieten möchte, der installiert ZeroNet und surft dann herum, ohne sich einen Kopf über Klonen oder Inhaltserstellung zu machen. Der Vorteil ist wirklich, dass man nicht an seinem Browser herumschrauben muss. Allerdings ist es sinnvoll, ZeroNet gerne dauerhaft im Hintergrund laufen zu lassen.

Erste Inhalte wird man in den kommenden Wochen von mir dort finden… ich gebe dann bescheid…


[1]: https://github.com/HelloZeroNet/ZeroNet#user-content-how-to-join

 

 

 

 

0 Replies to “Dunkel war’s, der Mond schien helle,”

  1. Nett – sowas gefällt mir – mit Freenet, I2P und RetroShare bin ich irgendwie nie so wirklich warm geworden.
    ZeroNet sollte, so wie es ist, sogar auf dem Raspi laufen können – und die Einfachheit der Bedienung, Navigation und sogar Erstellung eigenen Kontents ist bestechend.
    Nur kommt von NebelKerze, NebelTalk und NebelBoard nichts bei mir an.
    NO PEERS FOUND
    CONTENT.JSON DOWNLOAD FAILED

    Btw: warum müssen solche Projekte immer auf Portweiterleitungen und IPv4 angewiesen sein?
    Haben die werten Entwickler noch nie was von IPv6 gehört? (Portweiterleitungen kann ich zB knicken: DSLite)

    1. Das liegt daran, dass die „Nebel“ noch nicht verteilt sind. Wenn der Anbieter sein ZN ausgeschaltet hatte, konnte der Content bei Dir noch nicht ankommen. 😉
      Ich hab ZN häufig angeschmissen und lass es einfach mal ne Zeit loofn… ZN lebt davon, dass die Seite von einem Peer aufgerufen wird, der sie dann selbst „anbietet“, je mehr, um so größer die Chance, die Seite dauerhaft erreichen zu können.

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