Weshalb ich Probleme…

…mit der Tabakindustrie habe.

 

Mein Artikel „Der Geschmack von Freiheit und Abenteuer“ hat mal wieder gezeigt: Ich habe „Probleme“ mit der Tabakindustrie. Mit „Problemen“ meine ich, dass ich dieser Industrie schlicht nicht traue, ihr aber durchaus Schlechtes zutraue.

Und deshalb rollen sich mir die Fußnägel auf, wenn ein „Propagandaminister“ z. B. von PMI bei einer Dampfermesse ein Bühne dafür bekommt, die Segnungen der Tabaktoaster zu verkünden. Die Tabakindustrie ist jetzt nicht von Saulus zu Paulus geworden, nur weil sie plötzlich den Banner der „Harmreduction“ vor sich hertragen.

Das ist nur ein anderer Anstrich… denen geht es nicht um die „Gesundheit“ ihrer Kunden, sondern darum, dass ihnen ihre Gewinne nicht wegbrechen. Nachdem die E-Dampfe ihren Siegeszug angetreten hat, hat Big-T irgendwann festgestellt, dass ihnen die Felle wegschwimmen. Das hat jetzt nicht unbedingt was damit zu tun, dass sooo viele Raucher auf das Dampfen umgestiegen sind (obwohl das sicher auch ein wenig ausmacht), sondern hat viele verschiedene Gründe. Die schrittweise Umsetzung des FCTC hat dazu geführt, dass der Markt für Big-T immer „unangenehmer“ wurde… und die Tabakbekämpfung führte auch dazu, dass die Umsätze zurückgingen. Die gesundheitliche Aufklärung über die Risiken hat ihr übriges getan. Der Markt bröckelte (und bröckelt weiter). Da musste ne Lösung her.

Nachdem Big-T zunächst die Strategie verfolgte, zumindest das E-Dampfen als Konkurrenz und als Gefahr für ihr Rauchtabak-Geschäft zu sabotieren, was sich in der versuchten Einflussnahme bei den Verhandlungen zur TPD2 zeigte, haben sie dieses Feld irgendwann für sich selbst entdeckt. Big-T unternahm einige Versuche, in den E-Dampf-Markt vorzudringen. Das hat aber wohl nicht die Erfolge gezeigt, die sie sich versprochen haben. So sind sie wohl auch auf die Idee gekommen, besagte Tabaktoaster zu entwickeln. Damit lässt sich prima Geld verdienen, der Schritt für Raucher ist nicht so groß und man kann das als „Dampfen 2.0“ verkaufen… schließlich wird der Tabak ja nicht verbrannt und das Aerosol besteht zu einem weit größeren Teil, als Tabakrauch, aus Substanzen, die auch beim E-Dampfen entstehen. Insgesamt ist auch (unabhängig von den Forschungen von Big-T) davon auszugehen, dass das Aerosol weniger schädliche Wirkung erzeugt, als der Rauch einer klassischen Zigarette. Bingo! Da erscheint Big-T dann als Ritter in weißer Rüstung, als Wohltäter der Menschheit, als geläuterter Sünder, der erkannt hat, dass er bisher die Menschen durch Tabakrauch umgebracht hat und nun auf dem Pfad der Tugend wandelt, indem er der Menschheit „harmlosere“ Zigaretten bringt. Der Kampfbegriff „Harmreduction“ wurde auf die Fahnen geschrieben… und nun müssen die Raucher nur noch in der Spur gehalten werden, damit sie auch schön weiter die Produkte von Big-T kaufen und das Gefühl haben, die Industrie sei jetzt endlich auf dem richtigen Weg.

Was auch noch prima passt… die Dinger kann man mit Fug und Recht E-Zigaretten nennen, denn irgendwie sind sie das wirklich (im Gegensatz zu unseren Dampfgeräten, die alles sind, aber KEINE Zigaretten). Dann sehen die auch noch so ähnlich aus, wie unsere E-Dampfgeräte… und weil die fälschlich überall und nirgends auch als „E-Zigaretten“ bezeichnet werden, kann man jeden Erfolg und die zunehmende Akzeptanz der E-Dampfgeräte als Trittbrettfahrer quasi gratis mitnehmen. Und das klappt, denn die Tabaktoaster werden von allen, die sich nicht mit der Thematik auskennen (und das ist nunmal die Masse) als E-Zigaretten angesehen und mit unseren E-Dampfgeräten gleichgestellt. Passt! Und die Kundenbindung funktioniert… ein Raucher wird eher einer Elektrozichtel trauen, die von den netten Leuten kommt, die ihm früher die Marlboro gerollt haben, als von irgendeiner fernöstlichen Firma, die man sonst so gar nicht kennt.

Und der Plan geht auf… dafür sorgt zusätzlich die PR, die (unter anderem auch) von Leuten, wie Herrn Nussbaum betrieben wird. Ich will ihm nicht einmal unterstellen, dass er Lügen verbreitet… es mag ihm sogar wirklich darum gehen, die Menschheit zu retten, indem er ihr weniger schädliche Zigaretten schmackhaft macht. Was mir an der Sache aber stinkt und was für mich unmoralisch daran ist… er macht sich zum Gehilfen und willigen Handlanger genau DER Industrie, die sich seit über 100 Jahren einen Dreck darum geschert hat, dass sie ihre Kunden mit ihren Produkten umbringen. Und er ist sicherlich nicht dumm und ich gehe davon aus, dass er sehr genau weiß, dass es der Tabakindustrie mitnichten darum geht, die Menschheit zu retten, sondern nur darum, den Markt zu erhalten und ordentlich Kohle zu verdienen. Die Frage ist, ob jemand, der sich – unabhängig von einer eventuellen idealistischen Einstellung – vor den Karren von Big-T spannen lässt, morgens echt noch in den Spiegel schauen kann.

Ein weiterer Grund, Big-T nicht zu trauen ist die Tatsache, dass es sich – mal hart gesprochen – quasi um Dealer handelt. Der Tabak, den die Raucher täglich verbrennen und in die Lunge hauen, ist mit zahlreichen Stoffen „gewürzt“, die nur den Zweck haben, Raucher wirklich abhängig zu machen und zu halten. Es geht da nicht in erster Linie um „Genuss“ und ein „besseres Raucherlebnis“, sondern darum, die Junkies schön als ewige Kunden zu behalten. Die Wissenschaft hat vor etlichen Jahren festgestellt, dass die Tabaksucht nicht unmittelbar auf das enthaltene Nikotin zurückzuführen ist (auch wenn gerne von „Nikotinsucht“ gesprochen wird… etwas, dass es so nicht gibt), sondern diese Wirkung erst durch andere Stoffe aus dem Tabak hervorgerufen wird. Ein wesentlicher Faktor sind die im Tabakrauch enthaltenen Monoaminooxidase-Inhibitoren (MAOI). Nun wird hier und da gesagt, das sei nur eine Wirkung von Stoffen, die sich aus einer Zersetzung von Zucker (Saccharose) (der dem Tabak zugesetzt wird) bilden, hervorgerufen. Ja aber weshalb wird Rauchtabak denn dann Zucker zugesetzt? Nur weil‘s lecker schmeckt (verbrannter Zucker schmeckt scheiße… echt mal)? Oder ist genau die Wirkung erwünscht gewesen? Man muss sich seine Kunden ja erhalten? Abgesehen davon, dass z. B. auch Virginia Tabak an sich natürliche MAO-Hemmer enthält. Und was die sonst noch in den Tabak mischen, weiß ja auch kaum jemand.

Und auch die Tabaktoaster werden heiß genug, damit sich Saccharose zersetzt und eben genau diese Stoffe, die für die Tabaksucht zum großen Teil verantwortlich sind, bildet.
Ja… und Virginia-Tabak ist gebräuchlich… die werden jetzt nicht einen „Spezial-Tabak“ züchten der völlig frei von MAO-Hemmern ist. Ich will auch gar nicht wissen, was für tolle Ideen von Zusatzstoffen Big-T sonst noch hatte (und nutzt) oder noch in der Schublade hat… alles feine Stoffe, die nicht in der Negativliste der TabakerzV stehen… und damit legal sind.

Jahrzehnte über Jahrzehnte war Big-T nicht ehrlich… und DAS soll sich jetzt geändert haben? Warum denn die Möglichkeit aufgeben, die Leute vom eigenen Produkt abhängig zu halten? Die wären doch blöd.

Nööö… die Gelegenheit wird genutzt… und dann lassen sich auch noch leichtgläubige Akademiker blenden und von „sauberen Entwicklungs- und Forschungsabteilungen“, von „wunderschönen Forschungsergebnissen“ und feinen Präsentationen beeindrucken, so dass sie mit in das Horn stoßen und ihre neuen „Freunde“ von Big-T bis aufs Messer verteidigen.

Und dann ist wer verwundert, wenn ich bei Big-T rot sehe? Dass ich dieser miesen Branche, der es absolut nicht um „Harmreduction“ geht, sondern nur darum die eigenen Pfründe nicht zu aufzugeben und ordentlich Geld zu verdienen (nebenbei würde es sie auch noch freuen, wenn das E-Dampfen – diese miese Konkurrenz – von der Bildfläche verschwinden würde… dann müssen sie auch ihre Pod-Systeme und Cigalikes nicht weiter produzieren), absolut nicht traue?

Hey, die bruzzeln jetzt genau den Tabak, den sie uns bisher als Rouladen zum Anstecken verkauft haben, in ihren neuen Tabaktoastern und stellen sich als Retter der Menschheit dar. Wie erheblich eingeschränkt müssen die kognitiven Fähigkeiten sein, um darauf reinzufallen?

Nicht falsch verstehen… ich freue mich für JEDEN Raucher, der sein Gesundheitsrisiko durch den Umstieg auf einen Tabaktoaster reduziert… auch wenn er weiter von Tabak UND von Big-T abhängig bleibt.

Und daran denken: Neben dem Totalverzicht ist das E-Dampfen wohl noch immer die BESTE Variante der “Harmreduction”!

 

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1 Kommentar

  1. Georg

    So ist es. Da wollen wir mal hoffen, dass auf der “Hall Of Vape” solche kritischen Aspekte von “Philgood” auch angesprochen werden, obwohl ich glaube, dass er mentalitätsmäßig gar nicht in der Lage ist, eine inhaltlich kontroverse Diskussion mit u.a. dem Medien-Profi Dr. Nussbaum zu führen; es wird wohl zu ein, zwei kritischen Fragen kommen, deren Beantwortung ausbleibt bzw. die dann als Statements für Big-T rhetorisch geschickt und widerspruchslos umgedreht werden. Bei Philgoods (prinzipiell durchaus positivem) Harmoniebedürfnis wird man sich abschließend per Handschlag freundlich lächelnd voneinander verabschieden aber nicht ohne sich dem gemeinsamen Ziel zu versichern, etwas für die Gesundheit der Menschen zu machen.

    Du wärst für ein solchen Interview ein weitaus besserer Interviewpartner. Mit “Philgood” setzt die Messeleitung hingegen weniger auf Inhalt als vielmehr auf den werbetechnischen Bekanntheitsgrad. Eine Messe ist schließlich auch nur eine Verkaufsveranstaltung. Was sexy Girls in bunten Miniröckchen dort für die überwiegend männlichen Augen veranstalten, erledigen Medienprofis auf den Bühnen für die übriggebliebenen freien Gehirnzellen ihrer Besucher: Show und Unterhaltung zwecks Konsum, Verkauf und Wachstum des Markts. Echte Kritik stört da nur und ist auf Messen prinzipiell leider Fehl am Platze.

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