Ein klarer Auftrag

Stellt Euch vor, Ihr schreibt für ein Magazin – nennen wir es mal „Futschazohne“ – und Ihr habt den Auftrag, eine aktuelle Studie zum E-Dampfen dazu zu nutzen, um die Message rüberzubringen, dass das E-Dampfen ja doch schädlich ist… den Auftrag habt Ihr von der Redaktionsleitung oder Ihr habt Euch selbst den Auftrag erteilt, weil Ihr E-Dampfen scheiße findet.

Nun, dann kommt sowas dabei heraus:

Ist rauchen schädlicher als dampfen? Der Urin von 5.000 Probanden lügt nicht

Quelle: Futurezone

Berichtet wird über diese Studie:

Comparison of Nicotine and Toxicant Exposure in Users of Electronic Cigarettes and Combustible Cigarettes

Schon in der Einleitung fällt ein bedeutender Satz:

So sei zwar bekannt, dass dampfen weniger schädlich als rauchen ist. Jedoch werde dabei ignoriert, dass es trotzdem schädlich ist.

Alles klar… Dampfen ist schädlich… und diese „Tatsache“ wird ignoriert. Ok. Nun wird sich ja durch die Studie zeigen, dass Dampfen wirklich schädlich ist… ich bin ganz sicher und lese weiter.

Es wird beschrieben, wie die Studie durchgeführt wurde… es wurden Urinproben von Rauchern, E-Dampfern, Dual-Usern und Nichtrauchern (auch Nichtdampfer) genommen und auf das Vorhandensein sowie Mengen von Stoffen Untersucht… es wurde nach Nikotin, TSNA, PAK und VOC gesucht.

Und was kam heraus? Na der Artikel teilt mit:

In einer signifikanten Mehrheit der Fälle wies der Urin der Nutzer von E-Zigaretten eine geringere Schadstoffbelastung auf als das von Zigarettenrauchern.

Das ist doch prima!

Leider wird das Ergebnis aber relativiert, weil ein Teil der gesuchten Stoffe aber doch im Urin von E-Dampfern gefunden wurde. Deshalb wird im Artikel klargestellt:

Wenngleich E-Zigaretten also weniger schädlich sind als die herkömmliche Alternative, bergen sie doch eine reichhaltige Palette an schädlichen Substanzen.

Oje… schade…

Nun dachte sich der Verfasser, vielleicht reicht das nicht, um die Schädlichkeit des E-Dampfens wirklich in die Köpfe der Leser zu stopfen. Also wird noch der „erste Todesfall durch das Dampfen“ aus der Schublade gekramt:

So kam es im Mai 2018 zum ersten Tod durch eine explodierende E-Zigarette.

Da geht es um den Fall wo angeblich der Teil eines „explodierten“ Akkuträgers wie ein Geschoss in die Rübe eines Nutzers eingedrungen sein soll, worauf dieser den Löffel abgab. So tragisch dieser Fall auch sein mag… das war, wenn es wirklich so stattgefunden haben sollte, eine Verkettung zahlreicher unglücklicher Umstände in Verbindung mit einer Fehlbedienung. Nun ist ein solcher Fall nach zehn Jahren, die es Liquidverdampfer gibt, nicht gerade ein Grund zu der Sorge, E-Dampfer seien besonders gefährdet. Mal nebenbei bemerkt… allein in der Zeit von Januar 2018 bis zum Zeitpunkt des tragischen Ereignisses im Mai 2018 sind auf Deutschlands Straßen über 900 Menschen durch Verkehrsunfälle ums Leben gekommen. Nur in Deutschland… im Vergleich zu EINEM in zehn Jahren auf der ganzen Welt, wobei das Dahinscheiden nun aber auch gar nix mit den Inhaltsstoffen von Liquidverdampfern zu tun hat, sondern auch ein UNFALL war.

So… das müsste aber doch jetzt genügen, um Angst vor dem Dampfen zu machen, oder?

Leider nicht!

Der Unfall taugt dazu nicht…tödliche Unfälle passieren… das Leben ist lebensgefährlich und endet IMMER mit dem Tod. Ein tödlicher Unfall in zehn Jahren… das kann man wohl vernachlässigen.

Also bleibt die Studie. Doch leider gibt die auch nicht das her, was der Verfasser des Artikels so gerne hätte. Weil in den Urinproben der E-Dampfer auch die gesuchten Stoffe gefunden wurden, schließt er nun daraus, dass E-Dampfen den Körper mit einer „Palette an schädlichen“ belastet.

Hätte der Verfasser doch nur mal einen Blick in die Studie selbst geworfen und nicht nur (selektiv… er wusste ja, was für ihn herauskommen sollte) ein paar Fragmente der Zusammenfassung gelesen, dann hätte er festgestellt, dass auch Nichtraucherundnichtdampfer die „bösen Stoffe“ in der Pisse hatten. Alle… bis auf das Nikotin, das aber nun eher harmlos ist. Um das zu erfassen, muss man nicht einmal richtig lesen können… das zeigt sogar eine leicht verständliche Grafik der Studie: Figure 1

Hier sieht man, dass (bis auf das Nikotin, wie schon erwähnt) die E-Dampfer tatsächlich teilweise deutlich weniger „Schadstoffe“ im Urin hatten… UND dass die Menge der Schadstoffe von E-Dampfern ungefähr der Menge von Nichtrauchernundnichtdampfern entspricht. Die geringen Abweichungen rühren höchstwahrscheinlich daher, dass die Zahl der Probanden doch stark unterschiedlich ist (247 E-Dampfer, aber 1.655 Nichtraucherundnichtdampfer) und es ist zu vermuten, dass die Werte von beiden Gruppen noch deckungsgleicher wären, wenn es annähernd so viele E-Dampfer, wie Nichtraucherundnichtdampfer gewesen wären.

Die Studie sagt also nicht nur aus, dass E-Dampfer deutlich weniger „Schadstoffe“ im Urin haben, als Tabakraucher… sie sagt auch aus, dass sie auch nicht mehr „Schadstoffe“ im Pipi haben, als Menschen, die weder rauchen noch dampfen.

Will man den Satz „Wenngleich E-Zigaretten also weniger schädlich sind als die herkömmliche Alternative, bergen sie doch eine reichhaltige Palette an schädlichen Substanzen.“ stehen lassen, müsste man aber auch schreiben, dass das Nichtrauchen und Nichtdampfen dem Körper ebenfalls „eine reichhaltige Palette an schädlichen Substanzen“ zuführt… denn DAS ist auch ein Ergebnis der Studie.

Aber der Artikel passt prima in die derzeit wieder anlaufende Kampagne, die Öffentlichkeit über das E-Dampfen zu belügen.


Zum Thema hier noch ein toller Artikel: Pippi lügt nicht: Nichtdampfen ist genauso schädlich wie Dampfen

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