Was ist der Plan?

Die EBI „Let’s demand smarter vaping regulation!“ („Eine intelligentere Regelung für das Dampfen!“) läuft nun seit gut drei Wochen (wobei sie bereits seit dem 20. Februar, also seit über 90 Tagen, zugelassen ist und in der Zeit schon hätte Stimmen sammeln können) und nach dieser kurzen Zeit erklingt schon das erste kräftige Gejammer über die Dampferszene in Europa.

Nach drei Wochen: wenig Unterzeichner

Gut… es sind auch erst etwas über 14.000 Zeichnungen zusammengekommen… das ist nicht viel… und wenn es sich weiter so schleppt, dann wird das eng mit der Million Zeichnungen. 😉 😀 Allerdings muss man sagen, dass das relativ normal ist… erst wenn die Zeit knapp wird, dann kommt noch einmal Fahrt in solche Sachen. Allerdings muss dann schon ne Basis da sein, damit das Ziel erreicht werden kann.

Na jedenfalls wird nun nach nur(!) drei Wochen schon kräftig krakeelt, was für eine miese „Dampfer-Community“ [1] das doch wäre, weil die EBI noch nicht durch die Decke gegangen sei. Während der Dampfer-Papst™ spekuliert, dass die Sache wegen mangelnder Kommunikation durch die Initiatoren nicht ins Rollen kommt, lässt die allwissende Müllhalde™ gleich einen ordentlichen Rant vom Stapel, wo in bekannt zünftiger Wortwahl über die Szene gemotzt wird, die die Sache einfach nicht tragen möchte.

Gründe

Gemeint sein kann da eigentlich nur die Konsumenten-Szene… und dass dort Zurückhaltung herrscht, ist nicht verwunderlich.

Big-T an Bord

Einmal ist da die direkte Beteiligung (finanziell, aber auch im Bürgerausschuss selbst) von Imperial Brands, die etliche von einer Beteiligung abhalten mag. Konsumenten, die wissen, was in der Vergangenheit schon über angebliche Seilschaften behauptet wurde werden vom Dampfer-Papst™ als von der WHO gehirngewaschen abgestempelt. Er lebt halt in einer anderen Welt…

Wirkungslose Pressemeldung

Dann – da muss man dem Dampfer-Papst™ recht geben – ist der öffentliche Auftritt ausgesprochen „suboptimal“. Das fängt damit an, dass eine Pressemeldung (PM) herausgegeben wurde… beim Presseportal [2]… anscheinend nicht ahnend, dass PM von dieser Plattform kaum den Weg in die Mainstream-Medien findet. So landete die Meldung, die da auch nicht die Welt kostet, wie zu erwarten war, auch nur in Nischen-Medien, wo sie eher unterging.

Stümperhafter Webauftritt

Und die (nach der Meinung eines Allwissenden™) so professionelle, weil teure Webseite zeugt davon, dass hier bei der Erstellung Ahnungslosigkeit herrschte. Ist die mal schlecht gemacht. Ja… sie sieht auf den ersten Blick „nett“ (die kleine Schwester von Scheiße) aus… so mit ner großen Grafik und Javascript-Spielereien… aber wenn man VIELE Leute erreichen möchte, die dann mal rasch im Vorübergehen die EBI zeichnen, dann muss man denen das gleich auf der Startseite… oder vielleicht noch mit einem einfachen Klick… ermöglichen. Die Startseite hingegen glänzt durch ein großformatiges Foto der Bergsteigerromantik (ohne jeglichen Bezug zur Sache), einem Feld „act now“ und sonst… durch NICHTS!

Zeichnungsseite gut versteckt

Ein Klick auf „act now“ oder im Menü auf „Machen Sie mit!“ führt dann zu… neee, nicht zu einer Seite, wo man die EBI zeichnen kann, sondern auf eine Seite, die groß und breit erläutert, WAS eine EBI ist, dann in einem Kästchen die Grundsatzerklärung zeigt und mit einem Button auf eine weitere Seite führt, die das Petitions-Statement ausführt (auf der aber nicht prominent auf die Zeichnungsseite verlinkt wird… da muss man erstmal wieder eine Seite zurück, wenn man meint, seine Unterschrift für dieses Statement geben zu wollen). Daneben findet man eine Erläuterung zur sogenannten Basisbewegung (hier sollen die Abgeordneten persönlich angeschrieben werden) und einen Button, der auf eine weitere Seite führt, wo man dann – nach einem weiteren Klick – irgendwann zu Webformularen gelangt, mit denen man sein Statement loswerden kann.

Ach ja… und ganz UNTEN auf der „act-now-Seite“ ist dann ein Button, der auf die eigentliche Unterzeichnungs-Seite führt. Hut ab! Und wieder auf! Besser kann man den Link zum TATSÄCHLICHEN Mitmachen nicht verbergen.

DAS soll eine professionell gemachte Kampagnen-Seite sein?

Echt mal… wenn man nicht auf der Landing-Page (Startseite der Kampagne) selbst schon das Formular zum Zeichnen unterbringt, dann muss aber prominent… ganz oben… und noch hier und da… der direkte Link zur Zeichnungspage angeboten (eher „aufs Auge gedrückt“) werden. Darunter sollte auf jeden Fall stehen, um WAS es eigentlich geht – gerne dann mit Link auf die Grundsatzseite, auf der auch wieder „aufdringlich“ der Link zur Zeichnungsseite prangt.

Auf JEDER Seite des Webauftritts sollte der Verweis zur Zeichnungsseite zu sehen sein (unübersehbar), damit jeder dem möglichen spontanen Wunsch, seine Stimme abzugeben, mit nur EINEM Klick nachgeben kann.

Wenn man sich erst mit etlichen Klicks auf unauffällige Links über mehrere Ecken zur Seite mit der Zeichnungsmöglichkeit durchhangeln muss, dann verliert man locker Stimmen im mittleren zweistelligen Prozentbereich. Das sollte „Profis“ eigentlich klar sein… in Zeiten, wo die meisten nur noch die Schlagzeilen von Meldungen lesen und ihre Meinung in Form von Emojis oder „Daumen rauf“ kundtun.

Ein Haufen Kohle für… nix…

Wenn ich dann noch lese, die Kampagne bräuchte so viel Geld (gerne auch von der Tabakindustrie), weil ja eine professionelle Webseite gebaut werden musste (was schlappe zwei Monate gedauert hat, wenn man denn überhaupt von der Zulassung der EBI überrascht war… das Geld war schon Monate früher auf dem Konto) und dann ja noch die „Einbindung eines offiziellen EU Tools zur Abstimmung“ erfolgen musste (ich lach mich schlapp… da musste nix programmiert werden, mit ner API oder so… da wurde die EU-Seite per iframe in die Seite eingebunden… das kann jedes Kindergarten-Kind) und weil ja auch der Name noch geschützt werden sollte (kostet EU-weit 850 Euro… ist jetzt nicht so teuer). Da haben sich vielleicht einige „Profis“ oder „Experten“ für fast keine Gegenleistung ein Taschengeld verdient. Manchmal kommt mir der Verdacht, das SOLL NICHTS werden mit der EBI.

Keine Hilfe für Interessierte

Erschwerend kommt hinzu, dass die eigentliche Zeichnungs-Engine technische Unzulänglichkeiten aufweist… die man zwar, wenn man sie kennt, umschiffen kann… die aber etliche Zeichnungswillige einfach abbrechen lässt.

Nun mal ehrlich… wenn die Fehler (oder Unzulänglichkeiten) bekannt sind… WESHALB weist man die Besucher der Webseite nicht unübersehbar darauf hin… AUCH auf der Seite, wo man zeichnen soll? Da könnte man z.B. darauf hinweisen, dass das Geburtsdatum mit Schrägstrichen und nicht mit Punkten eingegeben werden muss.

Raus aus der TPD…

Dann habe ich noch irgendwo… von nicht ganz so prominenter Stelle… aufgeschnappt, dass manche sich wundern, weshalb z.B. die Ungarn schon so fleißig gezeichnet hätten (beim Stichwort „Ungarn“ werde ich immer hellhörig)… und die Antwort folgte prompt… die Ungarn hätten die Schnauze voll, dass sie ihre Dampfprodukte nur in Trafiken (staatliche Tabakwarenverkaufsstellen) mir zugeklebten Scheiben bekämen. Was ein Bullshit! Dass Dampf-Produkte in Trafiken verkauft werden müssen, hat NICHTS mit der TPD2 zu tun… das ist eine Entscheidung der Staatsführung, die unabhängig von der TPD2 ist… und das würde sich auch nicht ändern, wenn es eine Extra-Richtlinie für das Dampfen gäbe. Und die Ungarn wäre froh, wenn hierzulande „nur“ die TPD2 umgesetzt worden wäre. Tatsächlich gehen die Regelungen aber weit über das hinaus, was die TPD2 fordert. Und auch DAS müsste sich nicht ändern, wenn es ne extra Richtlinie gäbe. Die Verschärfungen sind ebenfalls eine rein nationale Entscheidung.

Dabei fällt mir noch was ein, was mir von ein paar Tagen aufgefallen ist… Also es wird ja phantasiert, es wäre sooo prima, wenn die E-Dampfe endlich aus der TABAKPRODUKTrichlinie herausgelöst würde. Dann wäre die Trennung von den Tabakprodukten endlich erfolgt.

…ändert vermutlich nichts.

Ja Scheiße ist erfolgt… wenn es diese Trennung dann gibt, dann gibt es sie auf EU-Ebene. Aber KEIN Mitgliedsstaat wäre verpflichtet, nun ein Extra-Gesetz für das Dampfen zu basteln. Die Regelungen (seien sie identisch, gelockert oder verschärft) könnten ganz einfach weiter in den nationalen Tabakgesetzen drin bleiben… denn es ist nur die Umsetzung einer Richtlinie vorgeschrieben… nicht aber, WO das zu erfolgen hat. Die meisten Staaten würden allein aus Bequemlichkeit, Kostengründen und ideologischer Verblendung die Liquidverdampfer einfach da lassen, wo sie heute schon sind… in der TABAKgesetzgebung. Ploppppp… die Seifenblase von der Trennung ist geplatzt…!

Nun aber endlich zum Titel dieses Beitrags!

WAS IST DER PLAN?

Also… was soll die EBI jetzt bringen?

Klar… die Regelung für Liquidverdampfer soll raus aus der TPD und das E-Dampfen soll „besser“ reguliert werden. Das ist ablesbar.

Aber WELCHE Regelungen sollen denn nun gelockert werden, was soll geändert werden?

Jugend„schutz“, Jugendschutz, Jugendschutz

In der Grundsatzerklärung wird vor allem über den „Jugendschutz“ geschwafelt (Wovor sollen die jungen Menschen eigentlich geschützt werden?)… aber WARUM das denn in eine neue Richtlinie packen? Jugendschutz steht nicht in der TPD2, ist aber trotzdem (auch für das Dampfen… weshalb auch immer) schon umgesetzt (FCTC sei „Dank“).

Das hätten sie sich also sparen können… und es gibt auch keinen Grund, den Jugend„schutz“ in eine Liquidverdampferrichtlinie zu packen.

Haben wir schon…

Raucher sollen über die Vorteile des E-Dampfens gegenüber dem Tabakrauchen informiert werden können. Ist ja prima… aber das können sie doch jetzt auch schon… trotz TPD2.

Haben wir schon…

Raucher sollen Zugang zu Liquidverdampfer haben. Auch prima… aber den Zugang haben sie doch JETZT auch schon… trotz TPD2.

Haben wir schon…

Aromatisierte Liquids sollen zugelassen werden. Schon wieder prima… das ist aber derzeit auch schon erfüllt… trotz TPD2.

Gefährliche Forderung

Risiko-Minimierung für Konsumenten durch Produktqualitäts-, Herstellungs- und Sicherheitsstandards. Hier lauern echte Gefahren… Gefahren für kleinere Hersteller und Anbieter. Das Ding kann böse nach Hinten losgehen… und könnte den Tod für kleine und mittlere Manufakturen bedeuten… denn wer die EU kennt, der weiß, dass bei solchen Regelungen gerne überrissen wird, so dass nur noch die Big-Player übrig bleiben (und EIN Big-Player sitzt im Bürgerausschuss).

So… das waren die Kernaussagen. Aber WAS, verdammt nochmal, soll denn nun „besser” reguliert werden?

Nur was dem Handel Geld bringt

Auch die Pressekonferenz zum Start der EBI hat da nicht viel hergegeben. Die Sechs-Monats-Frist wurde genannt… die ist für den Handel auch mies (für Konsumenten, die wissen, wie man die umgeht, nicht so sehr). Aber KEIN Wort zur idiotischen und auf alten und falschen Werten basierende Nikotin-Obergrenze und der damit einhergehenden Begrenzung auf Gebinde von maximal 10 ml. Na ja… das darf, wenn es nach dem Handel geht, gerne auch so bleiben… denn gäbe es wieder größere Gebinde mit vielleicht noch mehr Nikotin, dann würde man weniger verdienen (das dient auf KEINEN FALL uns Konsumenten).

Solange der Bürgerausschuss nicht einmal Farbe bekennt und sagt, WAS DER PLAN IST, wird es schwierig, ausreichend E-Dampfer (bedenkt, das sind i.d.R. Konsumenten) hinter dem Ofen vorzulocken.

Die Probleme sind hausgemacht

So wird das nix… aber das ist dann auch kein Grund, über die Szene, die nicht zeichnen will und nicht vor Begeisterung Purzelbäume schlägt, abzukotzen. Die Probleme der EBI sind HAUSGEMACHT und nicht die Schuld derer, von denen die Initiative Stimmen haben möchte oder die die Werbetrommel dafür rühren sollen.

Ohne mich…

Ich persönlich werde nicht zeichnen, auch wenn ich die Kernforderung mit Blut unterschreiben würde… aber die Verbandelung mit Big-T und die schwammigen Aussagen zu den „neuen, besseren“ Regulierungen lassen es nicht zu, dass ich mich daran beteilige… und auch nicht, dass ich das Unterzeichnen empfehle. Der Zweck heiligt hier nicht die Mittel. Trotzdem nehme ich mir auch weiterhin das Recht heraus, über die derzeitigen Regelungen zu schimpfen, denn nicht zu zeichnen ist meine FREIHEIT und meine WAHL. Die EBI ist in meinen Augen nicht geeignet, die bestehenden Überregulierungen zu beseitigen (denn das ist ne Initiative des Handels, der andere Interessen hat, als ich Konsument)… und sie wird eh die Hürde nicht nehmen.


[1] Schon 2013 war mir klar, dass es keine Dampfer-„Community“ gibt, sondern nur eine Dampfer-Szene. (Reingerutscht, gut versorgt… aber…)

[2] https://www.presseportal.de/pm/118679/4258075

One Reply to “Was ist der Plan?”

  1. Wie gut, das es beim Mitzeichnen nicht geklappt hat.
    Falls, hätte ich mir nach der Lektüre dieses Artikels ins Sitzorgan gebissen.

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