Sorgfalt – Medizinberichterstattung – Framing – Überschriften

Ziffer 2 – Sorgfalt
Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.

Ziffer 14 – Medizin-Berichterstattung
Bei Berichten über medizinische Themen ist eine unangemessen sensationelle Darstellung zu vermeiden, die unbegründete Befürchtungen oder Hoffnungen beim Leser erwecken könnte. Forschungsergebnisse, die sich in einem frühen Stadium befinden, sollten nicht als abgeschlossen oder nahezu abgeschlossen dargestellt werden.

Pressekodex

Framing bedeutet, einige Aspekte einer wahrgenommenen Realität auszuwählen und sie in einem Text so hervorzuheben, dass eine bestimmte Problemdefinition, kausale Interpretation, moralische Bewertung und / oder Handlungsempfehlung für den beschriebenen Gegenstand gefördert wird.

Robert Entman: Framing: Towards a Clarification of a Fractured Paradigm. Journal of Communication 43 (3). 1993. S. 51–58

Beim Großteil von Online-Artikeln wird lediglich die Überschrift gelesen, nicht aber der Artikel selbst. So zeigte eine Studie, dass bei Artikeln die in sozialen Netzwerken geteilt werden (im konkreten Beispiel auf Twitter) 61 % den Artikel selbst nicht lesen. Das gilt ebenfalls für diejenigen, die den Artikel aufgrund der Überschrift geteilt haben.

https://hal.inria.fr/hal-01281190
https://www.pressetext.com/news/20160620003

ZDFheute – Behörden in den USA alarmiert: Raucher von E-Zigaretten gestorben

Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) – Erster Toter nach E-Zigaretten-Gebrauch in Amerika

RTL Online – Illinois in den USA: Mann raucht E-Zigarette und stirbt an schwerer Lungenkrankheit

ZEIT ONLINE – Dubiose Erkrankung: Lungenprobleme nach E-Zigaretten: Erster Toter in den USA

Wer noch mehr Beispiele sehen möchte… noch VIEL mehr Beispiele aus den Mainstream-Medien, bemüht bitte selbst ein New-Portal seiner Wahl… die Artikel passen hier nicht alle rein, selbst wenn man den Monitor hochkant stellt.

Das bedeutet: Der Karren ist im Dreck! Die breite Öffentlichkeit ist nun der Meinung, es gäbe den ersten „Dampfer-Toten“ und man könne am Dampfen ernsthaft erkranken. Die Behauptung, die Nutzung von mobilen Liquidverdampfern sei unschädlich oder zumindest wesentlich unschädlicher als das Tabakrauchen, ist in den Köpfen nun als „Lüge“ gekennzeichnet.

Und die Verantwortung trägt die Mainstream-Presse. Ich gehe sogar so weit zu sagen, sie trägt die Verantwortung dafür, wenn Raucher, die bisher an der gefahrlosen Alternative zum Zigarettenrauchen interessiert waren, dies aber aufgrund der Artikel zum bedauerlichen Todesfall in den USA verworfen haben, an den Folgen des Tabakkonsums sterben.

Und wofür das? An „Auftragsarbeiten“ wird wohl niemand glauben… nein, ausschlaggebend war wohl die „Sensation“, die man mit den Überschriften suggerieren konnte. Das bringt Aufmerksamkeit und führt zu höheren Einnahmen. Da lügt man gerne einmal in der Weltgeschichte rum und macht sich auch keinen Kopf über die Auswirkungen. Was ein widerliches Geschäft, was für niederträchtige Kreaturen!

Aber bei den meisten Artikeln wird im eigentlichen Text auch nur wenig relativiert und beinahe in jedem Beitrag wird zumindest der Bezug des medizinischen Notfalls zum E-Dampfen hergestellt, indem verkündet wird, dass allen Erkrankten gemeinsam ist, dass sie „E-Zigaretten“ (ugs. falsche Bezeichnung für Liquidverdampfer) „geraucht“ haben, obwohl den Autoren durchaus bekannt sein müsste, dass es einen ursächlichen Zusammenhang NICHT gibt und das nicht einmal von den befassten US-Behörden behauptet wird.

Mit der Aussage, dass die Betroffenen gedampft haben, lügen sie nicht einmal, denn die Tatsache ist nicht zu leugnen. Schließlich haben sie ja mit solchen Geräten offenbar gepanschte und gesundheitsgefährdende Liquids von der Straße konsumiert. Ein Fall einer solchen Erkrankung ist nach dem Genuss regulärer Liquids nicht bekannt. Dass es aber nicht am E-Dampfen, sondern an der gefährlichen „Brühe“ lag, gerät in den Hintergrund. Man könnte genauso schreiben, alle hätten gemeinsam, dass sie irgendwann vor der Einlieferung ins Krankenhaus Stuhlgang hatten.

OT: Beim Kacken kann man sich übrigens wirklich einen Lungenriss zuziehen, an dem man sterben kann. Kein Witz… mir ist ein solcher Fall persönlich bekannt, wobei der Betroffene zum Glück nicht verstarb.

Hier wurde das tragische Ableben eines Drogenkonsumenten missbraucht, um die „Sensation“ verkünden zu können, dass E-Dampfen tödlich sein kann. Und es ging dabei nicht einmal in erster Linie darum, dem E-Dampfen zu schaden… es ging nur darum, Leser zu gewinnen und Geld zu verdienen.

Ausbaden müssen WIR alle es aber wieder, weil dieser Vorfall nun in den Köpfen der Öffentlichkeit verankert ist und weil er außerdem von den eigentlichen Gegnern des E-Dampfens mit Sicherheit noch kräftig instrumentalisiert wird.


*** AKTUELL ***

Den absoluten O B E R K R A C H E R hat sich das Online-Magazin „Mann.TV“ geleistet. Dieses Schmierblatt titelt doch tatsächlich eine knallharte Lüge mit fatalen Folgen (die Öffentlichkeit wird erheblich verunsichert):

Erster Toter durch das Dampfen bestätigt

Quelle: Mann.TV
Screenshot „Mann.TV“ vom 26.08.2019

„Bestätigt“ schreiben sie… also es ist amtlich und wurde von höchster Stelle „bestätigt“, dass jemand am Dampfen gestorben ist. Nur: WER hat das bestätigt… und WO und WANN?
Die Frage werden sie nicht beantworten können, weil NIEMAND sowas bestätigt hat. Hier wird dreist und mit fatalen Folgen gelogen, dass sich die Balken biegen.

Ich fürchte nur, dass meine Beschwerde beim Presserat so ausgehen wird, wie ähnliche Beschwerden immer ausgehen… es passiert nix und verläuft im Sande.

Also eigentlich kann man auf den Pressekodex einen großen Haufen scheißen, weil sich 1. eh kaum jemand daran hält und 2. begründete Beschwerden inzwischen gar keine Folgen haben. Hier fehlt es mal nicht am Kläger, sondern am Richter.

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