Ruhig Blut wegen „Cadmium-Fieber“

Bevor jetzt vielleicht irgendwann wieder eine neue Panikmeldung durch die Dampfer-Szene galoppiert, hier mal ein paar erläuternde Worte:

Es gibt da eine „Meldung“, dass die in den USA in den vergangenen Wochen aufgetretenen Fällen von Lungenverletzungen womöglich gar nichts mit THC-Produkten zu tun haben, sondern eher ein Fall von „Metalldämpfe-Fieber“ wären.

Da wird die steile These aufgestellt, weil die Symptome der Betroffenen in den USA den Symptomen von „Cadmium-Pneumonitis“ ähneln, dass die Fälle eher darauf zurückzuführen seien. Besonders „verdächtig“ seien „Billigverdampfer“, in denen als „Hilfsmittel für die Metallverschmelzung“ zum Einsatz kämen, die Cadmiumoxid enthielten. Billigverdampfer seien also wohl die Ursache.

So… nun könnten ohnehin schon verunsicherte Dampfer noch weiter verunsichert werden. Liest man das, dann könnte man vermuten, es ginge um das Material, aus denen die Heizwendeln bestehen oder um das Material, aus dem der Verdampfer selbst besteht.

Dazu gleich mehr… vorher aber mal was zum „Cadmium-Fieber“. Es gab da in der Vergangenheit einige wenige dokumentierte Fälle von Personen, die ähnliche Krankheitsverläufe zeigten, wie die Konsumenten illegaler Drogenzubereitungen von der Straße in den USA. Die Betroffenen hatten aber nicht gedampft und auch keine THC-Produkte konsumiert. Vielmehr waren sie in metallverarbeitenden Betrieben beschäftigt und haben dort Metallteile geschnitten bzw. geschliffen, die Cadmium enthielten… wohl ohne Atemschutz oder Staubschutz. Nach der Obduktion (die sind letztlich daran verstorben) stellte man in den geschädigten Lungen eine Ansammlung von Cadmiumoxid-Stäuben fest, die wohl zur tödlich verlaufenden Lungenentzündung geführt haben. [1][2]

Nun aber mal der Bezug zum Dampfen…

Es geht mitnichten um den Heizdraht und auch nicht um das Metall der Verdampfer. Das sind Legierungen. Es geht vielmehr um Hilfsstoffe, die für die Schmelzverbindung von Metallen genutzt werden. Legierungen werden SO nicht hergestellt… solche Hilfsstoffe finden beim Schweißen und Löten Verwendung.

Selbst wenn solche Stoffe in sehr geringer Menge in Spulen oder Verdampfer vorhanden wären (was aber nicht der Fall ist), würde sich das nicht in relevanter Menge freisetzen, so dass man es inhalieren könnte. Keine Spule und kein Verdampfer wird so heiß, dass es zur Schmelze kommt… und beim Dampfen ist auch keine Flex oder Schleifmaschine an Draht oder Verdampfer im Einsatz.

Das ganze Ammenmärchen stammt aus einer ohnehin seltsamen Quelle… „Colorado Green Lab“:

Colorado Green Lab ist eine Einrichtung für angewandte Wissenschaften in Denver, Colorado.

CGL bietet

– Produktentwicklungs- und Formulierungsdienstleistungen

– Großhandel mit nicht-psychotrophen Cannabinoiden und verbesserten Verabreichungssystemen für Cannabanoide, die an Unternehmen der industriellen Hanf- und Cannabisindustrie verkauft werden.

– forensische Beratungsleistungen für Wirtschaft und Öffentlichkeit

Bislang haben die jetzt die Mär vom Cadmium-Dampf vorgestellt… es soll aber noch eine „zweiter Teil“ folgen, in dem sie dann zeigen, wo das in den E-Dampfgeräten sitzen soll. Ein Bild dazu haben sie auch schon „spendiert“… und das lässt erahnen, wo sie das Dampfgerät „operiert“ haben… nämlich am 510-Anschluss eines Kombi-Akkus… wo natürlich eine Lötverbindung am Pluspol zu sehen ist… aus Lötzinn… wo vielleicht auch Cadmium drin ist.

Aber WIE soll DAS denn aus der LÖTSTELLE IM AKKU durch den Verdampfer in die Lunge kommen und WIEVVIEL HUNDERT GRAD wird denn der 510-Anschluss heiß?

Also Bullshit… und ich unterstelle mal, dass es denen nur darum geht, Cannabisprodukte zum Inhalieren aus der Schusslinie zu nehmen… nach dem Motto: „Seht, es kam gar nicht vom THC, es lag an den billigen Dampfgeräten, die Cadmiumoxid enthalten).

Bevor nun aber diese „Studie“ ihren Weg auch in die europäische Presse findet und ausgeschlachtet wird… na, da wollte ich mal vorsichtshalber aufzeigen, was das für ein Blödsinn ist.


[1] https://oem.bmj.com/content/oemed/39/4/411.full.pdf
[2] https://academic.oup.com/occmed/article/46/5/372/1406134

4 Replies to “Ruhig Blut wegen „Cadmium-Fieber“”

  1. Danke, dass du uns somit schon vorgewarnt hast. Das verhindert auch meinen demnächst vor lauter Staunen offenstehenden Mund bei einer entsprechenden argumentativen Eingabe eines pseudo-besserwisserischen E-Dampf-Gegners. Aber man sieht daran leider auch sehr schön, dass nichts zu verrückt wäre, im Zuge der gegenwärtigen Hysterie ins Spiel zu bringen: es geht allein um die Verunsicherung der Nutzer*innen – und am Ende erfüllt jedes Puzzleteilchen gegen das E-Dampfen seinen Sinn. Aufklärung war nie nötiger als heute. Deshalb ist dein Beitrag sehr, sehr wichtig.

  2. Na gut erstmal zum Lötzinn. Dort liegt der Schmelzpunkt tatsächlich nur zwischen 215 und 230 Grad, was ein Verdampfer eventuell erreichen kann. Aber Lötstellen befinden sich allenfalls in der Elektronik, und 215 Grad macht ein Akku nicht mit, der kündigt spätestens bei etwa 125 Grad.

    Dass unsere Dampfen aus Edelstahl und evtl. etwas Messing bestehen, ist auch jedem bekannt. Wenn irgendwelche US-Dödel-Firmen tatsächlich Billigteile mit Cadmium-Verbindungen verlötet wurden – kann ja theoretisch sein – stellt sich mir als Erstes die Frage, ob diese Geräte tatsächlich alle schlagartig brandneu auf dem Markt sind, denn sonst hätte das Desaster schon viel früher da sein müssen. Und: Ob das der Fall ist, lässt sich mit Sicherheit sehr schnell feststellen.

    Drittens: Wenn das der Fall ist, was ist denn mit den ebenso renommierten Studien, die das Tocopherol-Acetat als Übeltäter ausgemacht haben? Oder: Was ist eigentlich mit dem Myclobutinol, dem Pflanzenschutzmittel, das sich bei erhitzen in eine Blausäure-Verbindung verwandelt? Oder haben wir tatsächlich drei Ursachen gleichzeitig für eine Wirkung? Das wäre rein statistisch schon recht bemerkenswert.

    So langsam bekommt man den Eindruck, dass da jeder mal irgend einen möglichst originellen Vorschlag machen darf. Das wäre schon sehr im Sinne des Erfinders: Je mehr krude Vorschläge, desto größer die Verwirrung, desto größer das Verständnis für eine viele Monate dauernde Aufklärung – und damit letztlich für ein „vorsorgliches“ Verbot, das dann endlich auch US-weit gelten kann, wie auch Herr Trump das gern möchte.

    Es darf natürlich alles frei verkauft werden, was eine Zulassung der ehrenwerten FDA hat.
    Momentan fällt mir dazu gerade aber nur ein Produkt ein: IQOS.

    Ich frage mich immer wieder, ob die Amis auch wohl so lange brauchen würden, um die Ursache zu finden, wenn dort Menschen an einer Lebensmittel-Vergiftung gestorben wären: Tut uns leid, für die nächsten sechs Monate müssen wir den Verkauf von Hamburgern sicherheitshalber leider verbieten…

    1. Zum letzten Punkt mal ein Gedanke…

      Hat irgendwer schon so eine Schlagzeile gelesen?

      „Schon drei Tote, nachdem sie von einem Teller gegessen haben“

      Neee? Seltsam… dabei gibt es die Toten ja tatsächlich. Die haben von der kontaminierten Jauchewurst von Wilke genascht. Klar, die sind nicht daran gestorben, dass sie die von einem Teller runtergegessen haben, sondern an der Dreckswurst selbst. Aber die Leute in den USA sind ja auch nicht gestorben, weil sie gedampft haben, sondern an den Drecksliquids von der Straße. Trotzdem titelt niemand „Schon X Tote durch illegale Straßendrogen“. Ist aber auch kein Wunder, denn an anderen illegalen Straßendrogen, die nicht gedampft werden, sterben täglich mehr Menschen. Das lockt keinen hinter dem Ofen vor (was ich für einen Skandal halte).

  3. Entschuldigung, das Fungizid heißt natürlich Myclobutanil
    und nicht Myclobutinol, wie es fälschlich in der Studie tituliert wurde.

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