Ja dann zieht doch um!

E-Dampfen im Walled Garden

Ob es nun um YouTube geht, oder um Facebook, Instagram etc., die Jammerei wird immer lauter… vor allem in Dampfer-Kreisen. Konten bei diesen Diensten werden gesperrt, Videos müssen gelöscht werden, man fliegt raus und wird in der Freiheit der Gestaltung seiner Inhalte immer mehr eingeschränkt.

Es sind in der Regel gar nicht die gesetzlichen Vorgaben, die ohnehin gelten, unabhängig davon, was in den Nutzungsbedingungen der jeweiligen Plattform steht, sondern vielmehr eben diese Nutzungsbedingungen und AGB, die es immer schwieriger machen, Inhalte mit Bezug zum E-Dampfen anzubieten.

Ein echtes Problem ist dabei die Intransparenz und die Unschärfe in den Bedingungen. So finden Anbieter plötzlich ihren Kanal oder Account gesperrt vor oder es werden bei YouTube Videos gelöscht. Wer sich dann keiner Schuld bewusst ist, möchte selbstverständlich in Erfahrung bringen, was der Grund für die Sperrung oder Löschung war. Doch der Versuch, mit den Plattformen in Kontakt zu treten, gestaltet sich wie eine politische Diskussion mit einer Kartoffel. Man bekommt einfach keine Antwort… egal, ob es Bintje, Agata oder Sieglinde ist… die Kartoffel sagt nichts. Bei den aSN kann es sogar vorkommen, dass man eine vorgefertigte automatische Antwort bekommt, doch bringt die einen auch nicht weiter, als würde man sich die Kartoffelschale anschauen. Es handelt sich um allgemeine Nullauskünfte.

Wenn es sich um einzelne Beiträge, Bilder oder Videos handelt, die gelöscht oder gesperrt wurden, und man bekommt auf Nachfrage keine Antwort, weshalb, dann wirft man halt einen Blick in die Nutzungsbedingungen. Die sind aber bei näherer Betrachtung der Kartoffelbrei unter den Erdäpfeln. Weich, schwammig, kontourlos… schlicht nicht scharf umrissen und teilweise so formuliert, dass man alles herauslesen kann.

So steht man da und schaut wie Rosi im Kino (néz, mint Rozi a moziban 😉 ). Zurück bleibt ein Gefühl der Hilflosigkeit und Unsicherheit (wer weiß, welcher Inhalt als nächstes gelöscht wird… oder ob man gleich ganz gesperrt wird und den Kontakt zu seinen „Followern“ verliert).

Da hilft aber kein Jammern und Wehklagen. Wer sich in die Hände von zentralisierten, gewinnorientierten Monopolisten und in deren Walled Garden begibt, der muss damit leben, wie mit ihm dort umgesprungen wird. Die Anbieter haben da das „Hausrecht“ und können die Regeln recht beliebig formulieren und durchsetzen.

Ungeeignete Alternativen

Ein Umzug von YouTube zu Twitch ist nicht sonderlich sinnvoll, denn die Plattform ist für Livestreams gedacht und bietet nicht wirklich Platz für redaktionelle oder pseudoredaktionelle Videos. Außerdem ist der ursprüngliche Zweck auf Livestreams von Computerspielen gemünzt. Die Plattform erlaubt zwar inzwischen auch Streams aus anderen Bereichen, aber das muss nicht für immer gelten. Es kann auch durchaus passieren, dass es mit den „Fremdinhalten“ irgendwann zu viel und der Hahn wieder zugedreht wird. Na und für das, was DampfTuber eigentlich so machen, ist die Plattform eh nicht geeignet.

Die Flucht zu Dailymotion und ähnlichen Anbietern ist aber auch nicht zweckmäßig, selbst wenn dort derzeit nicht so strikte Regeln gelten. Man begibt sich damit wieder in die Hände eines einzelnen (kommerziellen) Anbieters und ist diesem auch genauso ausgeliefert.

Auch von Instagram hört man, dass Accounts gesperrt werden, die irgendwie „zu sehr“ in E-Dampfen machen. Woran es im einzelnen liegt, erfährt der Gesperrte aber auch wieder nicht.

Bei Facebook wackeln Gruppen, die z.B. Tauschbörsen oder Privatverkaufsmöglichkeiten bieten. Auch hier ist die Unsicherheit groß.

Ja… warum zieht Ihr, wenn Euch das nicht gefällt, nicht einfach um?

Wirkliche Alternativen

Aber eben nicht zu einem zentralen Service, zu einem kommerziellen Anbieter, in einen Walled Garden, sondern zu wirklich freien Alternativen!

The Federation“ ist der geeignete Ort. Damit sind die dezentralen freien Netzwerke gemeint, die YouTube, Instagram, Facebook, Twitter und etliche andere zentrale Dienste ersetzen können. Der Vorteil dabei ist, dass die verschiedenen Dienste eben nicht zentral auf einem Server laufen, sondern auf zahlreichen Servern, die untereinander interagieren, sodass man die Inhalte aller Instanzen sehen kann, wenn man auf einem beliebigen Server angemeldet ist. Man sieht die Inhalte aller (ziemlich aller), kann sie direkt anschauen und auch darauf reagieren. Das besondere ist, dass sogar die unterschiedlichen Plattformen in weiten Teilen miteinander interagieren… also z.B. der Twitter-Ersatz Mastodon mit dem Facebook-Ersatz Hubzilla

Es gibt für alle diese Dienste schon sehr viele Server, bei denen man sich anmelden kann. Und wenn der Server nicht gefällt, vielleicht abgeschaltet werden soll etc., dann ist bei den meisten Plattformen ein Umzug auf einen anderen Server, der diesen Dienst anbietet, nicht problematisch. Es gehen einem weder die Kontakte, noch die Inhalte verloren.

Außerdem ist es einfach geworden und entspricht dem dezentralen, föderierten Gedanken am meisten, dass man selbst eine Instanz betreibt. Wer also schon ein Webhosting-Paket hat, sollte einfach mal schauen, ob die Möglichkeit besteht, eine dieser Plattform-Anwendungen dort zu installieren. Nach meiner Erfahrung ist Hubzilla in der Hinsicht am einfachsten umzusetzen. Das geht sogar ohne unmittelbaren Zugang mittels SSH. Wobei z.B. Softaculous das auch schon zur Installation anbietet und viele Services mit Softaculous arbeiten. Peertube, die YouTube-Alternative ist da schon etwas umständlicher und da braucht man dann die Konsole. Das gilt für Mastodon auch.

Wenn man sich nur alleine, oder mit sehr wenigen fremden Nutzern auf seinem eigenen Server herumtreiben möchte, dann kann man sich den auch zu Hause hinstellen. Für nicht zu umfangreiche Föderations-Projekte reicht ein Raspi mit USB-Stick als zusätzlicher Massenspeicher völlig aus, sofern man eine halbwegs flotte Internetanbindung hat. Mein Garaberry (mit einem Hubzilla-Hub) läuft nun seit ziemlich genau einem Jahr nahezu unterbrechungsfrei… und immer noch wie geschmiert.

Der eigene Server oder Hub hat den Vorteil, dass man nun wirklich nicht von dritten abhängig ist und trotzdem Teil des Gesamtnetzwerks ist. Aber für den Anfang muss man das echt nicht machen. Die öffentlichen Instanzen sind überwiegend zuverlässig und es gibt ausreichend davon.

Wer sich von Instagram lösen möchte, sollte einmal Pixelfed ins Auge fassen. Es ist, wie alle Projekte aus der Föderation, ein noch wachsendes Projekt, dass immer weiterentwickelt wird. Pixelfed bietet das, was man von Instagram her kennt.

Als Alternative zu YouTube, was wohl mit die größte Relevanz zurzeit hat, bietet sich Peertube an. Bei der Auswahl des Servers sollte man auf eventuelle Speicherbegrenzungen achten und auch, ob hochgeladene Videos per Hand „moderiert“ (also freigeschaltet) werden. Peertube bietet dem YouTuber das, was er erwartet. Die Oberfläche und die Bedienung sind einfach und für erfahrene YouTuber ein Klacks.

Ich gehe hier jetzt noch auf Hubzilla ein, weil das die eierlegende Wollmilchsau unter den dezentralen föderierten Netzwerken ist. Es kann als Alternative zu Facebook fungieren, ist aber auch für einen Video-Kanal und natürlich auch für Foto-Blogging à la Instagram geeignet. Man kann Kanäle eröffnen, die völlig öffentlich sind, teil-öffentlich oder komplett privat, womit man geschlossene Gruppen nachbilden kann. Und solange man sich an die gesetzlichen Regelungen (Werbeverbot, Jugendschutz etc.) hält, sind dort auch Tausch- oder Privatverkaufs-Börsen möglich, man kann Foren bilden, Fotoalben zur Verfügung stellen, Webseiten und sogar ein Wiki anbieten. Eine Kalender-/Terminfunktion ist ebenfalls vorhanden.

Ich werde in den nächsten Wochen in meinem anderen Blog, PepeCyB‘s Welt, ein paar Tutorials anbieten, wo z.B. beschrieben ist, wie man bei Hubzilla seinen eigenen Video-Kanal anbieten kann.

Beliebte Gegenargumente…

Nun kommt garantiert das Gegenargument: Aber da habe ich doch keine Reichweite, da geht mir Reichweite verloren.

Ja, stimmt, wenn man damit anfängt, dann ist die Reichweite begrenzt. Die sollte aber, gerade bei den beliebten YouTubern, wenn diese wirklich umziehen, recht schnell ansteigen. Vielleicht nicht ganz in alte Bereiche… aber was nutzt Reichweite, wenn einem die Videos gelöscht oder der eigene Kanal vielleicht von heute auf morgen ohne Ankündigung gesperrt wird?

Alternativen bleiben Nischen, solange sich niemand darauf einlässt. Wagen jedoch immer mehr Nutzer den Schritt, so ist die Nische auch bald Vergangenheit.

Ein anderes Gegenargument könnte die fehlende Möglichkeit der Monetarisierung sein. Aber das ist bei YouTube in der Sparte E-Dampfen inzwischen doch auch schon längst Vergangenheit. Wer seine Videos aus Vorsicht auf 18+ stellt, der kann eh nix mehr einnehmen. Also unmittelbar. Mittelbar, das gilt dann aber auch für die Alternativen, sind Einnahmen z.B. zur Kostendämpfung, mit Patreon, Flattr oder PayPal durchaus möglich.

Noch eine Alternative

Nicht unerwähnt lassen möchte ich eine weitere Alternative, die nicht Teil von „The Federation“ ist, aber auch unabhängig und vor allem zensurresistent: Steemit/DTube.

Bei Steemit und dem darauf basierenden Videoportal DTube befinden sich die Videos im IPFS (InterPlanetary File System), einem verteilten, dezentralen Netzwerk, und die Referenz auf die Video-Dateien (es ist auch möglich auf Videos zu referenzieren, die nicht im IPFS, sondern an anderer Stelle liegen) befindet sich in der Steemit-Blockchain. Hat man einen Steemit-Account, ist hier die Besonderheit, dass man mit seinem Content auch tatsächlich Geld verdienen kann. Dies geschieht in einer Kryptowährung. Bekommt der eigene Beitrag Upvotes, so zahlt sich das in einem wachsenden Betrag dieser Kryptowährung aus. Nach einer bestimmten Frist kann man sich den Ertrag auch auszahlen lassen. Dabei, bzw. vorher, wird der Ertrag aber aufgeteilt. Ein Teil geht in den eigenen Account, der dadurch „gewichtiger“ wird, was bedeutet, dass eigene Upvotes auch höhere Beträge für den betroffenen Beitrag erzeugen. Ein weiterer Teil des Ertrages geht an die Kuratoren. Das sind diejenigen, die gevotet haben. Der Rest landet in der auszahlbaren Börse. Hier kann man also echtes Geld für eigene Inhalte, aber auch für das Voten für fremde Beiträge generieren. Reich wird man damit eher nicht, aber es ist quasi eine eingebaute Monetarisierung.

Also… alle, die jammern, sollten sich einmal mit der Alternativen befassen und ihre Energie lieber auf einen Neustart, als für das Wehklagen aufwenden. Macht doch Eure Lieblings-Tuber oder -Instagramer auf die Alternativen aufmerksam… vielleicht fasst sich der eine oder andere ein Herz, probiert es aus… das kann dann zu einer Sogwirkung führen… und die Szene wird dann endlich frei von Fremdbestimmung durch große Konzerne. Oder Ihr probiert es einmal aus mit einer Dampfer-Gruppe oder -Community in den dezentralen föderierten Netzwerken. Ihr werdet feststellen, dass auch Ihr da wesentlich freier seid.

One Reply to “Ja dann zieht doch um!”

  1. Ja wenn der verdammte Gruppenzwang nicht wäre. Aber ich Schwimm noch ein bisschen mit. Bald sind alle Dampfer weg und dann kommen sie endlich rüber zu meinem Hub

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