Alles andere als wahr

Was bedeutet „alles andere als wahr“? „Wahr“ ist ein Adjektiv, ein Eigenschaftswort. Sagt man also, eine Aussage sei alles andere als wahr, so ist schon einmal klar, dass sie nicht wahr ist.

Was ist aber mit „alles andere“ gemeint? Dass die Aussage „heiß“ ist, dass sie „schief“ ist, dass sie „fest“ ist, dass sie „gelb“ ist? Nein, Blödsinn… es bedeutet nicht, dass die Aussage mit allen existierenden Adjektiven bestückt werden kann… es meint vielmehr, das genau gegenteilige Adjektiv zu „wahr“… nämlich „falsch“.

„Alles andere als…“ bringt also keine Vielfalt anderer Eigenschaften zum Ausdruck, sondern wird verwendet, um das genaue Gegenteil zu der Eigenschaft zum Ausdruck zu bringen.

„Alles andere als wahr“ bedeutet also schlicht und ergreifend lediglich „falsch“.

Was bedeutet denn nun die Aussage

„E-Zigaretten sind alles andere als harmlos“ ?

Mit „E-Zigaretten“ sind mobile Liquidverdampfer… unsere Dampfgeräte gemeint. Das wissen wir. Und mit „alles andere als harmlos“ meint, dass sie das Gegenteil von harmlos sind. Harmlos bedeutet im Zusammenhang mit der Gesundheit „ungefährlich“. Das Gegenteil von „ungefährlich“ ist „gefährlich“.

Die Aussage

„E-Zigaretten sind alles andere als harmlos“

bedeutet also

„E-Zigaretten sind gefährlich“ .

Und jetzt komme ich mal endlich zum Punkt: 😉

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat ganz frisch seine Broschüre „BfR 2 go Ausgabe 1/2020 herausgegeben. Steht, wie fetzig, frisch, ja hip für „BfR to go“… also das BfR zum Mitnehmen und überall „genießen“. Es handelt sich dabei um das „Wissenschaftsmagazin des Bundesinstituts für Risikobewertung“, soll also einen Überblick zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen des BfR zu bestimmten Themen vermitteln.

Ein Schwerpunkt des hochaktuellen Magazins (die PDF-Ausgabe wurde am 08.06. fertig) ist das E-Dampfen. Hier soll der wissenschaftliche Erkenntnisstand des BfR zum Dampfen vorgestellt werden.

Überschrieben ist der Themenbereich mit

Schleierhafte Dampfwolken
E-Zigaretten sind modern, gelten bei vielen als cool und im
Vergleich zu Tabakzigaretten als weniger gesundheitsschädlich.
Ihr Prinzip: die Inhaltsstoffe zu verdampfen statt zu verbrennen.
Das BfR hat die Alternative zum Rauchen untersucht.
Das Ergebnis: E-Zigaretten sind alles andere als harmlos.

Das BfR kommt also zu dem Ergebnis, dass mobile Liquidverdampfer (sie nennen das „E-Zigaretten“) gefährlich sind.

Das ist die Aussage, quasi das Fazit.

Als ich das gelesen habe und mir die Aussage so richtig bewusst wurde, war ich natürlich gespannt, wie sie denn zu diesem Schluss gelangt sind.

Allerdings waren meine Erwartungen wohl zu hoch, denn in den Beiträgen zum Thema findet man nichts handfestes, was die Aussage begründen würde… man findet aber etliche alte Zöpfe und hier und da blitzen einige Ideen für eine Zukunft des Dampfens auf.

Gleich zu Anfang erläutern sie, wie sie denn die Inhaltsstoffe des Dampfs analysieren. Es wird unter dem Titel

Wir simulieren menschliches Dampfverhalten mit einer Abrauchmaschine.

beschrieben, wie der Dampf im Labor für die Analyse gewonnen wird.

Wie der Dampf im mobilen Liquidverdampfer entsteht, wird auch erläutert:

Der Dampf entsteht, wenn ein Teil der Füllung in der E-Zigarette – das Liquid – auf etwa 200 Grad Celsius erhitzt wird.

Das klingt nun so, als würde die gesamte Flüssigkeit, die sich im Verdampferkopf befindet bei 200° C „gekocht“ und zum verdampfen gebracht.

Das ist aber schon einmal Bullshit. Es entsteht quasi kein Dampf im Sinne der gasförmigen Phase des bei Raumtemperatur flüssigen Liquids. Zweihundert Grad heißen Dampf könnte man auch kaum inhalieren. Was tatsächlich passiert ist, dass direkt an der Heizwendel tatsächlich eine kleine Menge Liquid verdampft wird, welches dann durch die explosionsartige Verdampfung den eigentlichen Flüssigkeitsfilm vernebelt, also in winzig kleine Flüssigkeitströpfchen zerstäubt. Genauer kann das hier nachgelesen werden: AFAIK 18 – Atomizer und nicht Kochtopf.

Die Bezeichnung mobiler Liquidverdampfer für das gesamte Gerät, oder Verdampfer ist in der Hinsicht eigentlich auch missverständlich. Die englische Bezeichnung „vaporizer“ ist da treffender, denn das bedeutet „Zerstäuber“. Das sichtbare Aerosol ist kein wirklicher Dampf (wenn man damit die gasförmige Phase meint), sondern eher ein Nebel.

Aber egal… jedenfalls suggeriert der Text des BfR, dass das Liquid im Verdampferkopf komplett auf 200° C durcherhitzt und damit gasförmig wird. Das stimmt so nicht. Das sollten „Wissenschaftler“, insbesondere solche, die sich mit mobilen Liquidzerstäubern (ich nenne das im Rest dieses Artikels einfach mal so weiter) befassen.

Weiter geht es mit

Auffällig groß sind E-Zigaretten der Kategorie „Sub-Ohm“. Sie besitzen einen größeren Akku und der Widerstand der Heizspule ist niedrig. So fließt mehr Strom. Die Geräte sind leistungsstärker und stoßen deswegen mehr Dampf aus, der direkt vom Gerät in die Lunge inhaliert wird. Die Temperatur ist zwischen 150 und 350 Grad Celsius einstellbar.

Hier wird also die Kategorie „Sub-Ohm“ vorgestellt. Nun, da sind die Damen und Herren wohl in eine Zeitanomalie geraten und ein wenig in die Vergangenheit gereist. Heute ist diese Vokabel überflüssig geworden. „Sub-Ohm“, also Verdampferköpfe mit einem Widerstand unter 1,0 Ohm wurden vor Jahren genutzt, um höhere Leistungen nutzen zu können, weil die Leistung bzw. die Ausgangsspannung der Akkuträger noch geringer war bzw. überwiegend mechanische Akkuträger genutzt wurden, die die Spannung der Akkuzelle (um die 3,7 Volt) direkt abgegeben haben. Bei einem Verdampferwiderstand von z.B. 2,0 Ohm (war mal sehr verbreitet… vor etlichen Jahren halt) kam man auf eine Leistung von ca. 6,5 Watt… bei einem Widerstand von 1,3 Ohm waren es 10 Watt. Dementsprechend gering war die Dampfausbeute. Wer mehr wollte, musste (Fertigköpfe mit geringeren Widerständen gab es kaum) selbst wickeln… und zwar im „Sub-Ohm-Bereich“. Dann war es möglich, z.B. mit einem Widerstand von 0,5 Ohm auf gut 27 Watt zu kommen.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Moderne geregelte Akkuträger können solche Leistungen auch bei höheren Widerständen locker erreichen. Trotzdem ist es so, dass selbst bei Einsteigergeräten und Geräten, die als MTL (Mund zu Lunge, also keine direkte Inhalation in die Lunge) ausgewiesen sind, meist Fertigköpfe Verwendung finden, deren Widerstand deutlich unter einem Ohm liegt. Ist also egal. Die Einteilung in „Sub-Ohm“ ist also überflüssig geworden, weil sie nichts über die erreichbare Leistung, nichts über die erzeugte Dampfmenge und nichts über die Art der Inhalation aussagt.

Ok… das BfR meint mit der „Kategorie Sub-Ohm“ offenbar leistungsstarke Geräte. Und die haben nun einen größeren Akku, sodass mehr Strom fließen kann. WAS IST DAS DENN FÜR EIN SCHEIẞ? Wis-sen-schaft-ler… meinen, dass die Größe des Akkus die abgegebene Spannung (und damit über den Widerstand die Leistung) beeinflusst?

Ein nackiger 14500er Akku ist dünne und kurz, ein 18350 ist dicker und noch kürzer, ein 21700er ist dick und lang… und alle diese Akkus hauen 3,7 Volt raus (frisch geladen 4,2 Volt). Das ist unabhängig von der Größe des Akkus. Von der Größe hängt die Kapazität ab, also wie lange der Akku denn seine Spannung bei einer bestimmten Leistung abgeben kann, bevor er „leer“ ist und neu aufgeladen werden muss. Und auch der maximalen Belastbarkeit werden durch die Größe Grenzen gesetzt.

Auch die Aussage, man würde den Dampf solcher Geräte direkt in die Lunge inhalieren, ist Blödsinn. Leistungsfähige Geräte werden genauso auch für MTL genutzt.

Beispielsweise inhaliert der Verbraucher bei einem ‚Sub-Ohm‘-Modell weit mehr Dampf als bei anderen Geräten.

Nicht bei „Sub-Ohm-Geräten“ und auch nicht bei leistungsfähigen Geräten inhaliert man automatisch große Dampfmengen direkt in die Lunge. Ob man das tut, hängt von den individuellen Vorlieben ab UND von der Einstellung und Nutzung des mobilen Liqidzerstäubers.

Der nächste Kracher ist

Beim Verdampfen entstehen Substanzen wie Acrolein, Acetaldehyd oder das krebserregende Formaldehyd. Davon abgesehen ist Nikotin auch in E-Zigaretten gesundheitsschädlich und macht abhängig.

Hier wird herausposaunt, dass diese Stoffe im Dampf gefunden werden können… allerdings ohne eine quantitative Angabe. Dass diese Stoffe in extrem geringen Mengen, teilweise kaum über der Nachweisgrenze und weit unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte gefunden werden, wird verschwiegen. Hauptsache man kann die Namen der Bösewichte nennen. Dass diese Stoffe in der Zimmerluft im Schlafzimmer auch – und in ähnlicher Menge – ohne Dampfen vorhanden sind… ist egal… Hauptsache, es klingt bedrohlich… schließlich sollen „E-Zigaretten“ ja „gefährlich“ sein.

Zu den Aussagen zu Nikotin schreib ich hier nix, sondern verweise auf das Factsheet Nikotin. Dort sind wissenschaftliche Fakten aufgeführt, die auch die „Wissenschaftler“ des BfR kennen müssten. Aber sie schreiben lieber Mist, der alles andere als wahr ist. 😉

Und nun haltet Euch fest! Ja, haltet Euch fest! Es kommt der Ober-Hammer… ich musste das selbst mehrfach lesen und wollte nicht glauben, dass die das wirklich geschrieben haben… 😀

Geformt wie ein langer USB-Stick:
Wie viel Dampf entsteht aus verschiedenen E-Zigaretten? Um das herauszufinden, müssen die Geräte im Labor auch auf die Waage.

Die „Wissenschaftler“ des BfR WIEGEN E-Dampfgeräte, um vom Gewicht auf die abgegebene Dampfmenge zu schließen.

SOFORT schießt mir die Szene aus Monty Pythons „Ritter der Kokosnuss“ durch den Kopf, wo sie eine vermeintliche Hexe wiegen…

Also schlussfolgern wir logisch: Wenn ihr… Gewicht das gleiche ist, wie einer kalten Ente… dann… muss sie aus Holz sein. Und das bedeutet was? … Sie ist eine Hexe!

Danach warnen sie vor den Gefahren der selbst nachfüllbaren mobilen Liquidzerstäuber… und vor den besonderen Gefahren des Selbstmischens. Man weiß ja nie, was im Liquid drin ist, das man nachkippt… und Selbstmischer kommen vielleicht auf die Idee ihr Liquid mit Oliven- oder Motoröl zu verfeinern…

Bei E-Zigaretten mit befüllbarem Tank ist es möglich, selbstgemischte Liquids zu verwenden. Tschiche sieht in diesen offenen Systemen eine Gefahr: „Im Prinzip lässt sich jede Flüssigkeit in das Liquid mischen.“ Dies lade zum Missbrauch ein, das heißt, nicht zugelassene oder illegale Substanzen beizumischen.

Das BfR rät davon ab, Liquids selbst zusammenzustellen. Erst recht, wenn Kenntnisse und Erfahrungen fehlen. Etwa besteht die Gefahr, dass Mineral- und Pflanzenöle verwendet werden.

Und weiter:

Darauf sind möglicherweise zahlreiche Vergiftungsfälle in den USA zurückzuführen.

Vermutlich waren sie mit dem in den USA gängigen Verdünnungsmittel Vitamin-E-Acetat gestreckt, ein aus Vitamin E herstellbares Öl. Erste Indizien deuten laut CDC darauf hin, dass diese Substanz für die Lungenerkrankungen verantwortlich sein könnte. In Deutschland sind keine Sterbefälle bekannt. Dazu mag die EU-Gesetzgebung beitragen, die Vitamine in Liquids verbietet.

Möglicherweise… vielleicht… NEEE… recht sicher. Sagen sogar die CDC!

Und es lag in den USA nicht an selbstgemischtem Liquid der Konsumenten, die da das Verdickungsmittel α-Tocopherylacetat beigemengt haben, sondern daran, dass das Zeug in vorbefüllten, illegal gehandelten Schwarzmarktpods drin war.

Vor sowas können auch nicht-nachfüllbare Verdampfer nicht schützen… und davor schützt auch die EU-Gesetzgebung nicht. Gesetze regeln nur den legalen Handel. Wenn Kriminelle mit illegalen Produkten handeln, dann werden die sich kaum aus Respekt vor dem Gesetz an die gesetzlichen Vorgaben für das Produkt halten… denke ich… oder liege ich da falsch und in Europa gibt es nur gesetzestreue Gesetzbrecher? Langsam bin ich verwirrt…

Freudig verkündet danach das BfR die Früchte seiner jahrelangen Desinformationskampagne und verweist auf das Ergebnis ihres Verbrauchermonitors:

Die Mehrheit der Befragten ist sich einig, dass die Nutzung von E-Zigaretten mögliche gesundheitliche Risiken birgt, insbesondere Auswirkungen auf die Lunge und Krebs.

Herzlichen Glückwunsch… Ihr haltet die Bevölkerung blöd… und verhindert das Tausende Tabakraucher ihr Leben mit dem Umstieg zum Dampfen retten können!

Schließlich kommt noch die Pieper zu Wort…

Sie wiederholt, was denn für schreckliche Stoffe alles im Dampf sind, vor allem auch das gefährliche und gesundheitsschädliche Nikotin und empfiehlt deshalb

Die gesundheitlichen Risiken dieser Stoffe sind auch auf Passivraucher übertragbar. Wir empfehlen, E-Zigaretten nur in freier Umgebung zu verwenden und nicht in öffentlichen Gebäuden oder Nichtraucherbereichen.

Was das mit „Passivrauchern“ zu tun hat, ist mir schleierhaft… sie meint damit wohl eher „Passivdampfer“ und ignoriert die aktuelle Faktenlage, die inzwischen durch zahlreiche Studien belegt, dass es KEINE Passivdampfbelastung gibt.

Wir beschäftigten uns auch mit „Sub-Ohm“-Geräten, deren Leistung und Temperatur sich regulieren lassen. Hier geht es darum, wie hoch der Gehalt an möglicherweise gesundheitsschädlichen Stoffen bei welchen Einstellungen ist.

Und da ist sie wieder… die unterschwellig vorgetragene Begründung für eine anzustrebende Leistungsbegrenzung von mobilen Liquidzerstäubern.

Die Warnung vor dem Selbstmischen und die Behauptung der Gefahren nachfüllbarer Geräte lässt auch nur einen Schluss zu: Es dürften eigentlich nur noch geschlossene Systeme erlaubt sein (dann würde auch ein Aromenverbot für Liquids greifen, weil dann niemand mehr selbst nachwürzen könnte).

Wenn also DAS der aktuelle wissenschaftliche Kenntnisstand des BfR ist, dann ist das ein Armutszeugnis… und es wird sich nichts daran ändern, dass die Bevölkerung über das E-Dampfen komplett fehlinformiert ist.

Noch schlimmer ist, dass sich die politischen Entscheidungsträger auf die Einschätzungen des BfR verlassen und ihr Handeln danach ausrichten, obwohl das, was Das BfR hier schreibt, alles andere als wahr ist.

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