Es wird gar nicht so schlimm…

…mag man meinen. Wir können Entwarnung geben… könnte man denken.

Während ich noch vor wenigen Tagen davor gewarnt habe, dass kommende Regulierungen zu einer Zerstörung des E-Dampfens führen könnte, muss ich das jetzt wohl widerrufen, denn diejenigen, die es ja wissen müssen, haben gar keine solchen Sorgen.

The European berichtet unter dem Titel

E-Zigarettenbranche in Sorge vor Überregulierung

über die Zukunftsprognose des Handels.

Bei bloßer Betrachtung des Titels mag man noch meinen, es sähe doch nicht so gut aus, aber der Artikel beginnt dann mit einer Entwarnung:

Einbrüche in diesem, erneutes Wachstum im nächsten Jahr: Trotz Corona und bevorstehenden Werbeverboten ist die deutsche Branche überraschend zuversichtlich.

Mehr als zwei Drittel der Händler in Deutschland sehen positiv in die Zukunft, was die Geschäftsaussichten anbelangt. Beinahe die Hälfte aller Händler (46%) erwarten eine gute und weitere 22% sogar eine sehr gute Zukunft.

Dies ergab eine aktuelle Umfrage, die vom BfTG durchgeführt wurde.

29% sehen die Zukunft „so la-la“ und nur drei Prozent erwarten eine eher düstere Zukunft.

Und wenn jemand das einschätzen kann, dann doch wohl die Händler, oder?

Für 2020 wird ein Rückgang des Handelsvolumens im ca. 10% erwartet, aber schon 2021 erwartet man ein Plus von 22%.

Es wird zwar erwähnt, dass man sich wegen kommender verschärfter Regulierungen sorgt, das ändert aber nichts daran, dass man eine positive Entwicklung erwartet.

Das erklärt dann auch, weshalb man von den Händlern und deren Verbänden so wenig zu den gerade beschlossenen und zu kommenden Regulierungen hört. Die meinen halt, dass sich das nicht negativ auswirken wird. Alles wird gut!

Mag ja sein, dass in wenigen Monaten etliche beliebte Produkte teurer werden, weil nun Emissionsanalysen notwendig werden, Umverpackungen und Beipackzettel gedruckt werden müssen. Mag sein, dass neue Long- und Shortfills – und sogar reine Aromenkonzentrate – bald mit sechsmonatiger Verzögerung auf den Markt kommen. Mag auch sein, dass in absehbarer Zeit etliche Aromen für das Dampfen verboten werden (bis wir irgendwann nur noch Tabakgeschmack haben… wenn überhaupt), Geräte vielleicht in der Leistung beschränkt und offene Systeme verschwinden… der Handel meint, er wird trotzdem gut verdienen. Die Zeche zahlt ohnehin der Verbraucher… und der nimmt dann halt das, was die Regulierung auf dem Markt noch übrig lässt. Friss oder stirb!

Dass die neuen und kommenden Einschränkungen dafür sorgen werden, dass viele Dampfer zum Rauchen zurückkehren und dass es für Raucher damit unattraktiv wird, überhaupt umzusteigen (strengere Regulierungen signalisieren überdies, dass es wegen der Gefahren des Dampfens ganz dringend erforderlich war, zu reglementieren, um den Verbraucher zu schützen… wenn es so riskant ist, kann man ja doch gleich beim Tabakrauchen bleiben), scheint den Handel nicht zu kratzen. Der schaut positiv auf heute und morgen… übermorgen und über-übermorgen… ach das wird schon nicht so schlimm. Und falls doch, dann können sie immer noch anfangen zu jammern… Heulen und Zähneklappern.

Also… wer es mit den Augen des Handels sieht, kann sich entspannt zurücklehnen. Wer es aber aus der Perspektive des Konsumenten betrachtet, sollte aktiv werden und sich NICHT darauf verlassen dass Handel und Handelsverbände es schon für uns richten. Da scheint nicht viel zu erwarten zu sein.

Was man auch nicht vergessen darf: Die Aussagen können auch ein unglückliches Signal an die Politik sein. Wenn die unmittelbar Betroffenen das entspannt sehen, dann scheinen die neuen (und angedachten) Regulierungen gar nicht so schlimm zu sein. Weiter so!

4 Replies to “Es wird gar nicht so schlimm…”

  1. Händler und Hersteller haben noch immer nicht verstanden dass Überregulierung einfach nur eine Reaktion auf mangelnde Selbstregulierung ist. Gerade im aktuellen Klima könnte man doch der Jugendschutzhysterie ein wenig Wind aus den Segeln nehmen, z.B. durch weniger bunte Verpackungen. (Klar ist das sinnfrei, aber ein wenig Signalwirkung hat Entgegenkommen immer).
    Irgendwie gibts da aber kollektives Desinteresse, und ich bezweifle dass es nur an kurz/mittelfristigen-Gewinnabschätzungen liegt.

    Ehrlicherweise haben wir als Verbraucher aber genauso versagt. Ich wüßte jetzt auch nicht welcher Händler sich wirklich engagiert (Liquid-Inhaltsangaben über die Mindestanforderungen hinaus, oder zumindest SDS-Sheets, Dokumentation von Kompatibilität bei Pods oder Standard-Coils, oder noch banaler: die Schräubchengrößen bei RTAs, oder ein übelst profanes Online-Gütesiegel für Jugendschutz aus den 1990ern). Aktuell siehtfür den Gesetzgeber zwangsweise so aus, als gibts auch keine Verbraucher-getriebene Selbstregulierung.

    1. Was gibt es denn noch „selbst zu regulieren“? Mit der bestehenden Regulierung ist doch alles abgedeckt, was auch nur ein Haar breit über die Eigenverantwortung hinausgeht.

      Und zum Jugendschutz gibt es nur eins zu sagen… und zwar der Exekutive: Der Jugendschutz ist gesetzlich geregelt. Sorgt dafür, dass das Gesetz eingehalten wird und schon braucht sich der Gesetzgeber keine Überregulierung auszudenken, die den eigenverantwortlichen, erwachsenen Bürgern die Freiheitsrechte noch weiter einschnürt.

      Es ist doch völlig egal, ob Verpackungen bunt sind oder mit Comicfiguren versehen. Minderjährige dürfen den Kram eh nicht kaufen. Passiert das trotzdem, ist der Staat an der Reihe, das besser zu überwachen und zu sanktionieren. Und irgendwelche Jugendschutz-Labels sind doch auch nur Blenderei. Ich schätze, die überwiegende Mehrheit der Händler hält sich an die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes. Die brauchen kein Label (es geht ja um Verkauf und nicht um das Angebot jugendgefährdender Inhalte). Die schwarzen Schafe werden ein solches Label nicht bekommen. Die einzigen, denen solche Labels etwas bringen, sind die Zertifizierungsstellen, die damit Kohle abgreifen, ohne wirklich etwas zu leisten.

      Also ehrlich… eine Regulierung über die bestehende hinaus ist absolut nicht notwendig. Was jetzt kommt, hat nur den Zweck, das Dampfen auch für die Erwachsenen und vor allem für die Zielgruppe (Raucher) noch unattraktiver zu machen, um den Trend endlich doch noch plattzumachen.

      1. Das einzige was der Jugendliche bisher nicht kaufen darf sind Hardware und nikotinhaltige Produkte (Shots und 10ml Liquids). Aromen, Base, Long- und Shotfills aber sehr wohl

        1. Das stimmt so nicht. Im Gegensatz zum TabakerzG, das erst ab kommenden Jahr auch nikotinfreie Produkte unter die Regulierung stellt, waren im JuSchG schon seit der Änderung wegen der TPD2 auch die nikotinfreien Produkte reguliert:

          § 10 Abs. 4 JuSchG

          Die Absätze 1 bis 3 gelten auch für nikotinfreie Erzeugnisse, wie elektronische Zigaretten oder elektronische Shishas, in denen Flüssigkeit durch ein elektronisches Heizelement verdampft und die entstehenden Aerosole mit dem Mund eingeatmet werden, sowie für deren Behältnisse.

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