And the winner is:

Keiner!

Es gibt bei der Sache vermutlich nur Verlierer: Hersteller, Händler, Händlerverbände und Verbraucher.

Ich greife hier nochmal das „Sucralose-Gate“ auf. Und… das als Vorwarnung: Stellenweise habe ich vielleicht zwischendurch mal eine Alukappe auf. 😉

In der Redaktion der Nebelkrähe kam nach meinem Artikel „Viel hilft viel“ die Frage auf, weshalb das denn ausgerechnet jetzt, wo schon kaum noch jemand über Sucralose sprach, wieder ans Tageslicht kommt.

Sollte die Frage auch sonst noch so auftauchen, mal ein paar Erklärungen:

Vor ca. 10 Monaten gab es das erste Gepolter wegen Sucralose. Eine Stellungnahme des BfR vom April 2019 wurde aufgegriffen und es wurde „plötzlich“ festgestellt, dass ja auch in vielen Liquids Sucralose drin ist. Das kam nicht von den Händlern und auch nicht von den Verbänden, sondern in erster Linie aus Verbraucher-Kreisen. Die haben den BfR-Schreibe-Schrieb irgendwo aufgeschnappt, was von Dioxin gelesen und meinten nun, aus Liquids würde auch Dioxin, weil: heiß und Sucralose. Es wurde über den verantwortungslosen Handel geschimpft und Shitstorms wurden losgetreten („Die müssen das rauslassen… und die müssen draufschreiben, was im Liquid ganz genau drin ist…“). Viele Hersteller und Händler wurden vom aufgebrachten Verbrauchermob terrorisiert. Hunderte Anfragen, ob in dem oder dem Liquid Sucralose drin ist… gerne auch am Samstag… und wehe der Händler hat Sonntag noch nicht geantwortet… dann wurde zum Boykott aufgerufen.

Das Problem war, dass keiner (auch kein Experte) mit Gewissheit sagen konnte, ob Sucralose im Liquid überhaupt schlimm ist. Um die Gemüter (vor allem bei den Verbrauchern) zu beruhigen, wurden von den Händlerverbänden die Studien angekündigt (und auch zeitnah in Auftrag gegeben).

Na und seit Anfang April liegen den Verbänden die Ergebnisse vor.

Irgendwo ist diese Tatsache durchgesickert, weshalb sie nun ein paar Brocken Infos mehr haben durchsickern lassen. Dumm nur, dass es unzureichende Infos waren (wichtig wäre ja die Menge). Und noch dümmer, dass mit untauglichen Proben (viel zu hohe Sucralose-Konzentrationen in den Probeliquids) gearbeitet wurde, was zu schlechten Ergebnissen geführt hat (mit der Realität aber nix zu tun hat).

Sie haben die Studien nicht JETZT durchgeführt, wo Gras über die Sache gewachsen war. Sie hatten die Studien vor einem Dreivierteljahr durchführen lassen, um die Gemüter der Verbraucher zu besänftigen. Nun waren die Ergebnisse scheiße, weil mit falschen Voraussetzungen gearbeitet wurde. Und dann ist gerade vor kurzem wohl durchgesickert, dass die Ergebnisse schon seit ein paar Monaten da seien. Scheiße! Nun muss man dem Verbraucher ein paar Brocken vor die Füße werfen. Also lassen sie durchstechen, dass was gefunden wurde. Der eine Verband macht daraus: Besser keine Sucralose im Liquid. Der andere macht daraus: Ist bei wenig Sucralose kein Problem.

Sie dachten, das würde sie vor weiteren Nachfragen schützen und die Leute weiter ruhig halten. Aber das Gegenteil war der Fall. Hier die „Formel“:

Was gefunden + BfTG warnt vor Benutzung + VdeH relativiert + fehlerhafte Studienvoraussetzungen, die zu schlechten Ergebnissen führten genaue Zahlen und Ergebnisse = die Verbraucher werden wieder hysterisch

Ich frage mich auch ernsthaft, WER die Auswahl der Proben getroffen hat. Die Verbände etwa??? Ich meine, DIE müssten doch wissen, dass EU-zugelassene Liquids mit den höchsten Sucralosekonzentrationen gerade mal auf um die 0,15% kommen (etwas mehr, aber trotzdem deutlich unter 0,5%, findet man nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten… aber die haben eh degenerierte Geschmacksknospen). Dann veranlasst man doch keine Experimente mit 1, 2, viele %.

Und wenn das die Forscher selbst waren, dann zeigt das, dass die keine Ahnung von den Sucralose-Mengen in Liquids haben UND sich auch nicht schlau gemacht haben. Dann kommt solch ein Bockmist raus.

Aber die Auftraggeber (BfTG und VdeH) müssen ja die Ergebnisse bekommen haben… und spätestens an DER Stelle hätten sie es den Laboren um die Ohren hauen müssen und sagen: „Das ist doch nix wert. So, jetzt macht Ihr die Studie nochmal. Mit 0% als Referenz, wie bisher… und dann mit 0,05% – 0,15%, wie es in den zugelassenen Liquids im Handel enthalten ist. Zur Not nochmal mit 0,25%, damit wir auch einen Puffer nach oben haben. Hopp-hopp! Sonst gibt es keine Kohle.“

Die Verbände haben jetzt ein ganz fettes Problem! Wenn sie die Ergebnisse raushauen, dann sieht das erstmal mies aus. Selbst wenn sie jetzt einräumen, das läge an den zu hohen Konzentrationen in den Proben, hilft das nix. Die hysterischen Verbraucher glauben denen nicht mehr: „Die Händler wollen nur unser Geld, selbst wenn sie die Kunden dabei umbringen.“ Und wenn das durch die Presse geht, dann wird auch nicht klargestellt, dass solche Konzentrationen im Liquid nicht vorkommen… aus der Sache wird: „Studie beweist: E-Zigaretten machen Krebs!“

Nicht einmal die Ankündigung, nochmal – diesmal mit realistischen Liquidmischungen – zu testen, würde etwas bringen. Dann würde ihnen unterstellt, sie würden eine manipulierte Studie in Auftrag geben. Die Verbraucher sind in jedem Fall gegen sie aufgebracht. Die Hersteller und Händler, die diese Liquids anbieten, werden aber auch keinen Freudentanz aufführen, denn ihr Ruf ist damit beschädigt (es wird sicher wieder Boykott-Aufrufe geben) und sie müssen zusehen, ihre Produktpalette umzustellen und langsam wieder Vertrauen bei den Kunden aufzubauen. Wenn dann auch noch Politik und ANTZ einhaken und den (künstlichen, weil realitätsfernen) Skandal in die Öffentlichkeit tragen, ist der nächste Baustein für eine Aromen- und Zutatenbeschränkung frei Haus geliefert. Das ganze Ding ist SCHEIẞE. Für die Hersteller und Händler, für die Verbände UND für die Verbraucher.

Im Endeffekt liegt die Grundverantwortung für das Dilemma bei einigen Verbrauchern, die aus Unwissenheit, kombiniert mit unzulässigen Schlussfolgerungen, die Verbände zu dem Schritt der Studien genötigt haben. Aber eine große Schuld liegt ganz klar bei den Verbänden, die nicht darauf geachtet haben, dass die Studien realitätsnah durchgeführt werden. Nun haben sie Ergebnisse, die schlecht aussehen, obwohl sie gar nicht auf die Realität angewendet werden können. Sie können das aber nicht länger geheimhalten… aber eigentlich können sie das auch nicht bekanntgeben… und schnell neue Studien… hmmmmpf…

Das war NICHT professionell.

Der Fehler wurde vor zehn Monden gemacht… und JETZT fällt er ihnen auf die Füße.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden. Bitte dazu die Datenschutzerklärung beachten.