Dampfer-Allerlei #6 – Taschenspielertrick gegen Gleichheitsgrundsatz… kann der Markt das überleben?

Die Verfassungsklage gegen die neue Liquidsteuer schlägt jetzt tatsächlich höhere Wellen und wird auch außerhalb der Blase zur Kenntnis genommen. Man kann da zwei Argumente lesen… die vermeintliche Erdrosselungswirkung für den Einzelhandel und der vermeintliche Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz.

Die Argumente hängen eng zusammen… und greifen durch einen Taschenspielertrick des Gesetzgebers nach meiner Rechtsauffassung leider nicht.

Klage? Wird eher nix!

Die (ursprüngliche) Argumentation des BfTG bezieht sich noch auf die zunächst angedachte Nikotinsteuer. Sie meinen daraus ergäbe sich eine Steuer in Höhe von 75% der Steuer für Zigaretten. Und damit war die Erdrosselung schon geplatzt. Die Tabaksteuer auf Zigaretten hat die Branche nicht „erdrosselt“. Wie sollte dann eine sogar noch geringere Steuer die E-Dampf-Branche „erdrosseln“? Und hier rechnen sie auch noch mit realistischeren Werten. Der Gesetzgeben hingegen kam mit dem Argument, 1 ml Liquid mit 10 mg/ml Nikotin würde zehn Tabakzigaretten ersetzen. Dementsprechend würden 2 ml eine Schachtel Kippen ausmachen. Damit wären nach altem Modell, bei einer Gesamtmenge von 20 mg Nikotin (2 ml x 10 mg/ml) in der finalen Stufe, 80 Cent Steuern fällig. Der Nettopreis für 2 ml Liquid liegt bei ca. 65 Cent. Darauf kämen die 80 Cent Steuer und auf den Gesamtpreis dann noch die 19 Bruhsennt Märchensteuer, was die 2 ml 1,73 € kosten lassen würde. Damit brachten sie zum Ausdruck, dass eine Schachtel Kippen für bald 7 Euro durch Liquid für nicht einmal 1,75 € ersetzt werden könnten. Dagegen kann man nicht argumentieren.

Mit der Änderung auf eine Flüssigkeitssteuer haben sie nun erneut getrickst, indem sie einfach alle, also auch nikotinfreie Flüssigkeiten, als „Zigaretten-Surrogat“ deklariert haben. Sobald man etwas dampfen kann, ersetzt es Kippen… so die Argumentation. Es bleibt also die Berechnungsgrundlage bestehen, dass 2 ml Liquid eine Schachtel Kippen ersetzt (nur isses jetzt egal, ob mit oder mit ohne Nikotin). Nettopreis für 2 ml Liquid sind nach wie vor 65 Cent. Dazu kommen Steuer für 2 ml. In der höchsten Stufe also 64 Cent (2 ml x 32 Cent/ml)… was einen Endpreis von 1,54 € bedeutet. Also noch weniger als bei der ursprünglich geplanten Nikotinsteuer.

Wir alle wissen… haben es der Politik mitgeteilt… dass die Rechnung mit 2 ml Liquid = 1 Schichtel Zaziretten Bullshit ist, und man eher vom 3fachen des Nikotins einer Nikotinroulade ausgehen muss. Umgelegt auf die ohnehin völlig verquere Umsetzung auf alle Flüssigkeiten muss man also eher davon ausgehen, dass eine Schachtel durch 5 – 6 ml Liquid „ersetzt“ werden können. Ein Raucher, der am Tag eine Packung durchzieht, verbrennt im Jahr knapp 1.300 Euro Steuern. Ein Dampfer benötigt nach dieser (auch nicht perfekt zutreffenden) Rechnung „nur“ etwas über 680 Öcken.

Auch in absoluten Zahlen ergibt sich nach dieser Rechnung, dass ein Dampfer mit ca. 1.700 Euro gegenüber dem Raucher mit 2.555 Euro durchs Jahr kommt.

Gesundheit statt Schnäppchen

Klar, da kommen noch andere laufende Kosten dazu… ggf. für Akkus, vor allem aber für Verdampferköpfe (ich gehe hier von einem durchschnittlichen Umsteiger aus, der nicht selbst mischt oder gar wickelt). Das summiert sich im Jahr ungefähr auf 100 bis 150 Euro. Auch damit liegt der Dampfer noch unter den Kippen-Kosten. Allerdings dauert es mit der Steuer wesentlich länger, bis sich die Einstiegsinvestition amortisiert hat. Das ehemals so schlagkräftige Argument, dass man mit dem Dampfen wirklich viel (und das ganz schnell) sparen kann, ist damit gestorben. Es bleibt nur noch das Argument (das ich auch für wesentlich gewichtiger halte), dass man sein eigenes Leben rettet. Man gewinnt Lebensqualität zurück und verringert die Wahrscheinlichkeit, langsam und qualvoll an Krebs zu verrecken, mit COPD zu ersticken oder herz-kreislauf zu verenden. Es stinkt nicht mehr, wo man auftaucht, und die Wände, Textilien, Oberflächen werden nicht mehr gelb und fühlen sich nicht mehr an, wie die Schrankoberseite vom Küchenschrank.

DAS zählt sicher mehr, als eine gigantische Ersparnis. Nur… erreicht man damit die Masse? DAS zu schaffen ist AUCH Aufgabe der Verbände. Also gehen wir es an!

Eine Nische – nicht mehr, nicht weniger

Das eigentliche Problem besteht beim Handel. Die Steuerlast bei Tabakwaren ist über sehr viele Jahre in moderaten Schritten auf das heutige Niveau gestiegen. Der Markt ist im Vergleich zum Dampfen (über 15 Millionen Tabakraucher stehen knapp 750.000 Dampfern gegenüber) gigantisch, der Suchtdruck so groß, das kaum jemand auf die Zichtel verzichtet. Der Markt besteht und wird auch bestehen bleiben.

Der Dampfer-Markt ist hingegen noch recht jung und die Zahl der Kunden eher überschaubar. Die Branche besteht zum überwiegenden Teil (abgesehen von den Geschäften, die Big-T an Land gezogen hat oder in eigener Regie durchzieht) aus spezialisierten Shops. Diese Shops verkaufen Hardware, das ist klar… aber das ist nicht das Geschäft, mit dem sie den notwendigen Umsatz erwirtschaften. Shops leben vom „Sofwareverkauf“… also von Liquids. Ursprünglich gab es nur fertige Liquids zu kaufen… plus einem Nischenbereich mit Base, Basebestandteilen (PG, VG), Aromakonzentraten und Nikotinbase… für die ganz Harten, die, vorwiegend aus Kostengründen, ihr Liquid selbst mischen wollten. Wie gesagt… eine Nische… und nicht unbedingt notwendig für das Überleben der Shops.

Damals, also vor der TPD2 und deren Umsetzung, wurden nikotinhaltige Fertigliquids zu günstigeren Preisen auch in größeren Gebinden angeboten. Das war kein Problem, weil so ja noch erlaubt.

Dann schlug die TPD2 ein… und die Gebindegröße für nikotinhaltige Liquids auf 10 ml begrenzt. Damit waren die z.B. 50-ml-Nikotin-Liquidflaschen Geschichte. Doch der Tod brachte neues Leben hervor: die Shortfills. Das waren minimal überwürzte nikotinfreie Liquids in größeren Flaschen, in die man nur noch etwas Nikotinbase kippen musste, um letztlich doch wieder sein Großgebinde Nikotinliquid zu haben. Problem dabei: Nikotinbase gab es nur noch mit 20 mg/ml… weil TPD2. Damit waren höher konzentrierte Nikotinliquids auf diese Weise nicht mehr herstellbar. Die Dampfer mussten also (Selbsttitration) mehr Liquid konsumieren. Das Problem bestand damit für die Konsumenten, weniger für den Handel… im Gegentum… der konnte so sogar noch die Umsätze steigern.

Nur noch Fertigliquids – ob das reicht?

Mit der Steuer ist diese Sparte (Shortfills plus Nikotinbase) am Ende. Der Preis für ein Shortfill steigt derart, dass der Endpreis die Kunden abschreckt. Damit bleibt nur noch der Selbstmischer-Markt (ich meine das WIRKLICHE Selbstmischen) und der Markt der Fertigliquids übrig. Der Selbstmischer-Markt wird auch zukünftig keine große Rolle spielen, denn die Mehrzahl der Umsteiger möchte dampfen und nicht erst mit Spritzen und Messbechern hantieren. Selbstmischen ist wesentlich aufwendiger… auch wesentlich aufwendiger als das Selbstdrehen von Zigaretten. Das werden die eingefleischten Freaks aus der Dampfer-Blase machen (das sind aber, wenn man großzügig schätzt, wenige Tausend… die meisten der Dreiviertelmillion Dampfer sind Einfach-Dampfer, die nicht mit dem Mischen anfangen werden). Dieser Kundenstamm wird den Handel nicht retten. Insbesondere weil die paar Spezial-Kunden höchstens die Nikotinshots und vielleicht noch ein paar Aromakonzentrate im Fachhandel kaufen werden. Keiner wird so blöd sein, z.B. PG im Dampfer-Shop zu kaufen und für eine Literpulle 200 Euro aufwärts zu bezahlen, wenn es den „Stoff“ bei anderen legalen(!) Quellen für nen Zehner gibt.

Für die Shops bleibt also nur noch der Fertigliquid-Markt. Ob DER nun ausreichen wird, um die Geschäfte am Leben zu halten, wird sich zeigen. Ich bin da skeptisch… zumal der Preisvorteil gegenüber dem Rauchen sehr schrumpft.

Sterben die Shops, weil es keine Nachfrage mehr gibt, dann verschwinden auch die Quellen für Hardware. Damit beißt sich die Katze in den Schwanz. Keine Liquidnachfrage sorgt für Hardware-Mangel… Hardware-Mangel sorgt für sinkende Liquid-Nachfrage. Der Markt stirbt, weil die Shops sterben, weil der Markt stirbt, weil…

Die verbleibende kleine Hoffnung, nämlich der Fertigliquid-Markt, wird vielleicht noch ergänzt durch den Markt mit vorbefüllten Pods… DER aber ist überwiegend in der Hand von Big-T… denen das eher am Arsch vorbeigeht.

Das Sterben des Shortfill-Marktes, das ich als größtes Problem ansehe, hat psychologische Gründe… und gegen Psiekologgie ist kein Kraut gewachsen. Wenn man mal ganz nüchtern rechnet, ist es egal, ob man sich mit Shortfills behilft, oder mit Fertigliquids. Bei gleicher Flüssigkeitsmenge über einen bestimmten Zeitraum gerechnet, ändert sich nahezu (nur nahezu) nix… der Steueranteil selbst bleibt gleich. Trotzdem ist man geneigt, die kleineren Liquidpullen zu kaufen, weil der Preissprung da einfach nicht so groß wirkt (bei der einzelnen Packungseinheit). Getreu nach dem Motto: „Was kümmern mich Benzinpreiserhöhungen… ich tanke eh immer nur für 20 Euro.

Was eher für die Fertigliquids spricht, ist die Möglichkeit da auch höher konzentrierte Flüssigkeit zu bekommen, mit der man dann ggf. länger auskommt.

Ich weiß nicht, was wird. Mein Bauchgefühl verheißt nix Gutes… aber das mit der Klage wird ein Schlag ins Wasser.

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