Dampfen ist kein…

Raucherentwöhnungsmittel (es kann aber als solches funktionieren) und schon gar kein Nikotinentwöhnungsmittel!

Das wird gerne vergessen oder falsch eingeschätzt. Liegt nicht zuletzt daran dass sehr viele Dampfer, eigentlich die Mehrheit, auf das Dampfen umgestiegen sind, um sich das Rauchen abzugewöhnen. Und leider ist uns durch die lange Zeit der Berichterstattung über das Rauchen auch eingeipft worden, dass Raucherentwöhnung letztlich auch eine Nikotin- und Inhalationsentwöhnung sein müsse… man tue dies, um schließlich auch den Ersatz wegzulassen.

Oft konnte man (und kann man immer noch) lesen oder hören, dass Umsteiger oder Umsteigewillige planten, das Nikotin „auszuschleichen“ und irgendwann ganz wegzulassen (möööglichst schnell auch noch… und dann vielleicht das Dampfen aufzugeben). Die Realität ist fast immer eine andere. Es funktioniert sehr oft so nicht. Nach dem Umstieg wird man zum dauerhaften Dampfer, zum dauerhaften Nikotinfeuchtaerosolinhalierer. Die Gründe dafür sind vielfältig und haben sich in den letzten Jahren auch noch geändert, zugunsten des Weiterdampfens.

Zunächst einmal funktioniert die komplette Nikotinentwöhnung nicht so, wie man sich das als angehender Dampfer vorstellt. Nikotin hat eine Wirkung. Und die ist positiv. Der Vorteil des Dampfens ist das Wegfallen vieler abhängigkeitsverstärkender Substanzen, die man sich beim Tabakrauchen zuführt. Die reine körperliche Abhängigkeit ist gar nicht so stark (in der Wissenschaft wird sie mit der Abhängigkeit von Koffein verglichen). Und gleichzeitig stellen sich die positiven Veränderungen infolge der Rauchabstinenz ein. Damit verliert sich die Motivation, das Nikotin zu entwöhnen ein ganzes Stück weit. Zumal negative Auswirkungen des Koffeinkonsums nicht spürbar (weil nicht vorhanden) sind.

Und das „Ausschleichen“ funktioniert so auch nicht. Je weniger Nikotin im Liquid ist, desto mehr Liquid verbraucht man am Tag. Solange man nämlich Nikotin konsumiert, holt sich der Körper die Dosis, die er benötigt. Nennt sich Selbsttitration [1]. Wer auf eine längere Raucherkarriere zurückblickt, während der es auch kurzfristige erfolgreiche Aufhörversuche gab, wird sich erinnern, dass man beim erneuten Beginn des Tabakkonsums sehr schnell wieder bei seiner alten Kippenanzahl landet, selbst wenn man sich eigentlich vorgenommen hat, nur eine, zwei oder bei Gelegenheit zu rauchen. Dass die Sache nicht funktioniert, liegt einerseits daran, dass die zusätzlichen Stoffe im Tabakrauch durch ihre Funktion das Verlangen steigern und der Körper die gewohnte Menge Nikotin fordert.

So kommt es, dass aus sehr vielen langjährigen Rauchern nach dem Umstieg dauerhafte Dampfer werden.

Das ist aber auch nicht schlimm, denn es spricht nichts gegen Nikotinkonsum und es spricht auch nichts gegen das Inhalieren.

Ich persönlich z.B. stehe dazu, dass ich das Nikotin und seine positiven Wirkungen mag und dass es mir mit Nikotin besser geht. Ich bin seinerzeit umgestiegen, nicht um das Nikotin zu entwöhnen, sondern um den Rauch loszuwerden. Eventuelle Risiken durch den Nikotinkonsum waren mir herzlich egal. Erst im Laufe der Jahre, in denen ich mich immer intensiver mit dem Thema befasste, wurde mir klar, dass das Nikotin, in den Mengen, in welchen ich es konsumiere, auch kein Risiko für mich darstellt.

Für einige spezielle Risikogruppen kann Nikotin aber schon ein erhöhtes Risiko darstellen. Das sollte einerseits nicht verschwiegen werden. Für diejenigen gilt aber auch, dass sie für einen kompletten Risikoausschluss sowohl das Dampfen als auch das Rauchen oder Nikotinkonsum auf andere Weise vermeiden sollten. Aaaber… ja, jetzt mein „Aber“: Für einen Angehörigen einer Risikogruppe ist es in der Regel trotzdem um Klassen besser, mit Nikotin zu dampfen, als weiter zu Rauchen, denn die unzähligen Risikofaktoren des Rauchens (ganz weit vorne, aber gerne übersehen ist die permanente Kohlenmonoxidvergiftung) werden so vermieden. Wer als „Risikopatient“ nicht auf Nikotin verzichten kann oder will, der sollte besser dampfen und das Rauchen möglichst aufgeben. Letztlich ist das alles aber auch eine Frage der Eigenverantwortung bei erwachsenen Menschen.

E-Dampfen ist Nikotinkonsum ohne die speziellen Risiken des Nikotinkonsums mittels Tabakrauch. Es ist ein Genussmittelkonsum und eine individuelle Entscheidung und auch eine individuelle Risikoabschätzung. Es ist aber keine Raucherentwöhnung, auch wenn das Dampfen dazu führen kann, und es ist schon gar keine Nikotinentwöhnungskur!


[1] Self-titration by cigarette smokers

One Reply to “Dampfen ist kein…”

  1. Mehr Liquide Verbrauch mit weniger bis gar kein Nikotin stimmt. Das würde bedeuten das dem Nikotin auch bei der Zigarette eine größere Bedeutung zuzurechnen wäre als eigentlich gedacht, mal abgesehen vom Faktor „Verbrennung“ bei der Kippe? Und somit im Umkehrschluss beim dampfen doch wieder ein gewisses Suchtpotenzial besteht, anstatt „Genussmittel“ ???? Nicht wirklich!….

    Ein wichtiger Faktor ist auch ob MTL (Mund zu Lunge) oder DTL (direkt zur Lunge). Das muss aber jeder für sich selbst raus finden. Bei MTL ist der Nikotingehalt in der Regel höher als bei einem DTL Gerät. Für mich ist MTL nichts. Ich muss ein paar kräftige Züge nehmen. Ich ziehe dann 5-6 mal und bin dann wieder für eine gewisse Zeit gesättigt. Die 2mg Nikotin bei denen ich angelangt bin sind gerade richtig für meinen Persönlichen Genuss. Das ist meine Art zu genießen. Wenn ich im Netz lese, das sich manch einer als „Dauernuckler“ bezeichnet bei MTL-dampfen, Hmmmm? Man hat ja ständig die E-Dampfe in der Hand. Eine wirkliche Befriedigung kann aus meiner Sicht nicht stattfinden. Das ist aber nur meine Sichtweise.

    Ich habe es getestet: Mit gar keinem Nikotin. Ergebnis? Ja es geht, aber da ist ein aber!…. Man dampft mehr, ich zumindest als ausschließlicher DTL-Nutzer. Und irgendwie fehlt was? Alles bloß Einbildung, oder wie oder was? Ich weiß es nicht, was ich aber weiß, das mit „ohne Nikotin“ das Liquide etwas anders schmeckt. Ich würde sogar behaupten es schmeckt intensiver nach dem verwendeten Aroma. Gut, abhängig wahrscheinlich auch von der Base. 50/50 – 70/30 – 80/20. Je höher der VG-Anteil in dieser, sind bestimmte Geschmacksunterschiede feststellbar, was aber auch bedeutet, das man mehr Aroma braucht. Dies habe jedenfalls ich so für mich feststellen können. Ist aber alles steuerbar. Wer ohne Nikotin dampft oder Stück für Stück erst mal herunter fährt, ist doch O.K. Jeder wie er/sie möchte. Wichtig! Nicht selbst unter Druck setzen!

    Aufs Nikotin werde ich aber vorerst nicht verzichten, da es mir keinen Nachteil bringt. Es hat eine, wie soll ich sagen? Beruhigende Wirkung? Wie bei vielen anderen Dingen die man Täglich so zu sich nimmt, ist ja bekanntermaßen die Menge das entscheidende. Es spricht also nichts dagegen zu dampfen und zu genießen. Mit ging es beim Zigarettenstopp in erster Linie mit der „Verbrennung“ Schluss zu machen, da es mir Gesundheitlich immer größere Probleme bereitete.

    Man raucht, Abends ist die Schachtel dann wieder leer und man fragt sich: warum machst du das? Eine Antwort darauf gab es für mich nicht. Und da zog ich den Schlussstrich. Hat zwar ein paar Wochen gedauert, aber ich habe es geschafft. Wenn man schließlich soweit ist und nur noch dampft, merkt man erst was man sich all die Jahre mit dem inhalieren der Dreckskippen angetan hat. Wer nach dem ausstieg von der Tabakzigarette mit Hilfe der E-Dampfe auch nicht mehr dampft oder dampfen möchte, so ist das nach meiner Meinung auch völlig in Ordnung. Mein allgemeines wohl befinden seit ich dampfe ist um ein vielfaches gestiegen.

    Ob nun mit oder ohne Nikotin, entscheidet jeder für sich selbst. Eins sollte aber immer klar sein. Wer so wie ich über 4 Jahrzehnte geraucht hat und letztendlich ein probates Mittel entdeckt hat mit der Tabakzigarette aufzuhören, sollte diese Chance ergreifen und sie nutzen.

    Informiert euch….

    Bombus

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