Ein wenig Geduld spart Bares

Shortfills waren (sie werden bald vom Markt verschwinden) für die Ungeduldigen. Wobei das nicht als negative Wertung gemeint ist. Im Endeffekt waren die die Reaktion der Hersteller auf die hirnverbrannte Mengenbegrenzung von nikotinhaltigen Fertigliquids, die durch die TPD2 eingeführt wurde. Waren vor Inkrafttreten der entsprechenden gesetzlichen Regelungen größere Gebinde nikotinhaltiger Liquids kostengünstiger als dieselbe Menge in 10-ml-Flaschen, wurde dies nun mit den Shortfills umgangen.

Ein Shortfill ist nichts anderes als ein nikotinfreies, minimal überaromatisiertes Liquid in größeren Flaschen (die Platz bieten, um ein oder zwei Nikotinshots beizugießen), das seine Reifezeit (also die gründliche Durchmischung ist schon erfolgt) schon hinter sich hat. Der Nutzer gießt lediglich die benötigte Menge nikotinhaltige Base dazu und kann direkt losdampfen… so wie er es mit Nikotinliquids auch tun kann.

Der Nachteil: Bei sinnvollen Gebindegrößen (z.B. 50 ml Shortfill in einer 60-ml-Flasche) ist eine höhere Nikotinkonzentration als 3 mg/ml nicht drin. Das war aber zu verkraften, weil man mit dem Atomizer ja steuern konnte, wie heftig der Throathit war. DL-Dampfen war sinnvolle Voraussetzung. Man hatte zwar einen höheren Verbrauch, weil sich der Körper über die Selbsttitration die benötigte Nikotinmenge holte… aber man hatte trotzdem das Gefühl, etwas zu sparen. Die größeren Pullen waren günstiger als die 10-ml-Pullen in der jeweiligen Anzahl… und dass man in der Woche mehr von den Shortfill-Pullen brauchte, ließ sich prima verdrängen… „Mir ist es egal, wie viel der Sprit kostet. Ich tanke eh immer nur für 20 Euro.“

Nun hat aber die Liquid-Steuer zugeschlagen (auch wenn man es noch nicht merkt, weil der unversteuerte Kram noch abverkauft wird) und Flüssigkeiten werden nach Volumen teurer. Egal, ob da Nikotin drin ist, oder nicht. Waren bislang auf die Flüssigkeiten lediglich 19 % Märchensteuer fällig, so sind auch jetzt 19 % Märchensteuer zu berappen… allerdings nicht auf den Nettopreis, sondern auf den Nettopreis zuzüglich der Liquidsteuer von (jetzt noch 16 Cent pro Milliliter). Für ein 50-ml-Shortfill fallen also acht Euro Steuern an, die auf den Nettopreis draufgeschlagen werden… und auf diese Summe kommen dann nochmal 19 % Märchensteuer drauf.

So wirklich sparen kann man nun mit Shortfills nicht mehr… und für 20 Euro bekommt man weniger Sprit… äääääh… für eine solche Pulle muss man nun, statt vorher 15 Euro +/- 4 Euro locker um die 24 Euro berappen. Das ist vielen dann zu teuer auf einen Schlag.

Sparen ist angesagt… Strom sparen, Gas sparen, Sprit sparen uuund Liquid sparen. Das ist ein Grund, weshalb der MTL-Zug bald mit Höchstgeschwindigkeit über die Schienen rattert. Shortfills taugen dafür aber nicht wirklich. Mit drei mg/ml, bei größeren Pullen, z.B. 100-ml in 120-ml-Pulle so ungefähr bis 6 mg/ml, kommt man MTL nicht unbedingt auf seine Kosten. 10 ml Fertigliquid gibt es mit wesentlich höherer Nikotinkonzentration… und die halten dank MTL länger.

Generell zahlt man immer den selben absoluten Betrag an Steuern… ob man nun sechs Fertigliquids kauft oder ob man ein 50-ml-Shortfill plus 10 ml Shot erwirbt. 60 ml sind 60 ml sind 9,60 Euro Steuern.

Wirklich sparen kann man nur, indem man Straftaten begeht und nur die notwendigsten Teile für das fertige Liquid im Dampferhandel kauft. Das wären in erster Linie die Nikotin-Shots… und vielleicht spezielle Dampfaromakonzentrate bzw. Longfills (Aromakonzentrate in großen Pullen… allerdings ohne den Vorteil der Vorreifung). Die restlichen Zutaten erwirbt man im sonstigen freien Handel. Damit zahlt man dann nur 1,60 je Shot und ggf. nochmal 3,20 für ein 20-ml-Longfill (wobei da der Trend zur höheren Konzentration geht und dann weniger Flüssigkeit an der großen Pulle ist). PG und VG nimmt man dann ohne Liquidsteuer z.B. vom Chemikalienhandel.

Longfills sind aber nicht wirklich der Weisheit letzter Schluss. 20 ml Aroma in einer 100-ml-Pulle… das ist eine Aromabeigabe von 20 %. Das Zeug ist also ordentlich verdünnt. Für spezielle Dampfaroma„konzentrate‘ werden meist 5 bis 15 % Anteil empfohlen… das ist schon höher konzentriert. Mann braucht halt weniger. Allerdings sind Aromen, die nicht aus dem Dampfhandel stammen meist noch höher konzentriert. Da sind oft Aromazugaben von 1 – 3 % empfohlen… und es fällt nicht einmal die extra Steuer an.

Egal… wenn man sparen möchte, braucht man halt Geduld. Denn im Gegensatz zu den Shortfills ist hier nichts vorgereift. Nach dem Mischen braucht das Liquid noch ein paar tage oder wenige Wochen, bis es dampfbar ist.

Geduld ist aber gratis und es fällt auch darauf keine Liquidsteuer an. Und das, obwohl sie ein sehr knappes Gut geworden ist. Heute bestellt man ein Produkt online… und wenn am nächsten Tag noch nicht die Versandbestätigung im Mailfach ist… oder wenn das Versandunternehmen einen Tag länger als üblich braucht, ist man genervt, muss es in den aSozialen Netzwerken mal loswerden und man neigt dazu, den Shop nicht weiterzuempfehlen. Mein erstes Fahrrad aus dem Versandhandel hatte ich bei Quelle bestellt. Dazu die Bestellkarte aus dem Katalog herausgetrennt (da war ein Pappbogen mit perforierten Bestellkarten drin). Fein ausgefüllt. Briefmarke drauf. Nach zwei Tagen war die Karte beim Versandhaus. Die haben das Fahrrad dem Spediteur übergeben und nach ein paar weiteren Tagen war es dann bei mir. Und alles OHNE Sendungsverfolgung. Man hat die Karte in den Briefkasten gesteckt… und war dann überrascht, wenn die Bestellung vielleicht schon nach fünf Tage da war. Und… wir haben es überlebt… wir hatten, was wir gerne haben wollten… das Leben war entspannter.

Ich sehe auch beim Selbstmischen nicht das Problem. Man muss halt ein wenig vorausplanen. Wer unbedingt das Shortfill-Gefühl haben möchte, der mischt sich halt 50 ml nikotinfreies Liquid mit Aroma für eigentlich 60 ml, füllt es in eine 60-ml-Pulle und lässt das Zeug ein, zwei Wochen stehen. Dann kann er es jederzeit „scharf“ machen, indem er einen Shot hinzugibt. Ist aber albern. Dann kann man das Zeug (vielleicht gleich in größeren Pullen) auch direkt mit Nikotin anmischen und stehen lassen.

Geld sparen kann man also, indem man richtig selbst mischt (aus Einzelkomponenten, die größtenteils aus dem liquidsteuerfreien Handel stammen) und ein wenig Geduld investiert. Man wird damit zwar zum Straftäter… aber scheiß drauf.

Oder, wenn man ungeduldig ist, dann überwürzt man sein Liquid mit mehr Aroma. Das erhöht aber wieder die Kosten und kann geschmacklich mächtig daneben gehen. Beim Aromatisieren ist in meinen Augen der beste Weg: weniger Aroma plus längere Reifezeit. Das lohnt sich… denn solche Liquids sind dann wirklich „premium“. 😉

One Reply to “Ein wenig Geduld spart Bares”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden. Bitte dazu die Datenschutzerklärung beachten.