Das Phlegma der Dampfer ist schier unermesslich

Das Dampfen, wie wir es kennen, ist zur Zeit bedrohter, als je zuvor. Nachdem der erste Angriff mit der Schaffung der TPD2 nicht zu dem gewünschten Ziel (Quasi-Verbot oder Verbannung in die Apotheke) nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat und sich das Dampfen, trotz teilweise widersinniger und unnötig einschränkender Regulierungen, weiter etablieren konnte, die ständige Diffamierung über die Presse zwar dazu geführt hat, dass die Öffentlichkeit weiter falsch informiert bleibt, das E-Dampfen an sich aber nicht in die Schranken weisen konnte, geht es jetzt wieder politisch ordentlich zur Sache.

In den vergangenen Monaten wurden an entscheidenden Stellen Konzepte zur weiteren Einschränkung des Dampfens auf den Weg gebracht. Ein Aromenverbot (oder zumindest eine drastische Einschränkung der Aromenvielfalt) ist und bleibt eine Wunschvorstellung in den Köpfen der Politiker. Vorgeschoben wird dann immer der Aspekt des Jugendschutzes… so als Penatencreme für das Zäpfchen, das flott durch die Rosette flutschen soll. Die Idee einer Leistungbeschränkung wurde auch ins Spiel gebracht. Mit Steuern hofft man dann auch noch lenkend einzugreifen (das Inhalieren von Wolken soll verschwinden, selbst wenn es nicht schadet)… und nun denkt man über ein „Verbot des grenzüberschreitenden Handels“ nach. Die Gleichstellung vom E-Dampfen mit dem Tabakrauchen ist beinahe vollzogen… da sollte aber noch ein wenig mehr gehen. „Plain packaging“ ist auch eine Idee, die in den Köpfen herumspukt.

Die Reaktion der Dampfer-Szene ist dabei aber fürn Arsch. Kann man irgendwo zu einem dieser Pläne etwas lesen, dann wird das in den Foren und aSozialen Netzwerken verlinkt und es folgen ein paar Floskeln (“Die spinnen ja.“, „Die sollten lieber mal…“, „Die sind ja alle gekauft…” etc.)… danach ist die Sache vergessen. Es wird nicht im Ansatz mal gemeinsam darüber nachgedacht, wie man auf solchen Mist reagieren könnte, was man dagegen tun könnte. Jede Maßnahme für sich ist zwar schlimm, aber man könnte sich damit noch arrangieren. Keiner fasst das einmal zusammen und stellt klar: Wenn dies alles kommt, ist das Dampfen faktisch am Ende.

Und es ist schon recht konkret geworden. Die Steuern sind beileibe nicht vom Tisch, es gibt einen Entschließungsantrag, der in einem möglichen Verbot des grenzüberschreitenden Handels gipfelt [1] (am 24.09. behandelt der Wirtschaftsausschuss dieses Thema, heute schon der Ausschuss Agrarpolitik und Verbraucherschutz und übermorgen der Gesundheitsausschuss). Außerdem sollen Expertengruppen auf EU-Ebene installiert werden, die sich mit dem Dampfen allgemein und mit Inhaltsstoffen im Speziellen befassen sollen [2]. Da ist also konkrete Bewegung im Politik-Zirkus… das sind keine Gerüchte und Verschwörungstheorien.

Mit dieser Zusammenfassung wäre dann klar, dass zumindest versucht werden MUSS, etwas gegen diese Pläne zu tun.

Nur es kommt nix.

Das gesamte Feld ist zur Zeit den ANTZ und den Händlerverbänden unterlassen.

Gerade letztere werden immer als so unglaublich stark und professionell dargestellt… also ich habe da meine Zweifel. Der Korken, den sich die beiden Verbände, insbesondere der mit dem „B“ vorne dran, mit der Sucralose-Studie geleistet haben, spricht nicht gerade von Professionalität. Eine Studie ohne Vorgabe der (realitätsnahen) Rahmenbedingungen in Auftrag zu geben, ist nicht sehr professionell. Nun ist der Schaden angerichtet… verunsicherte Kunden, verunsicherte Händler und gratis gelieferte Munition, die Aromen- und Zutatenbeschränkungen fordern.

Die Idee für ein „Verbot des grenzüberschreitenden Handels“ riecht auch sehr stark danach, dass der Impuls aus Richtung der Händlerverbände kommt. Die jammern ja schon seit Jahren, dass der Privatimport aus dem Ausland den deutschen Handel schädigt.

Jedenfalls ist eigentlich Alarmstufe „ROT“, aber aus den Reihen der eigentlich Betroffenen ist allenfalls ein Pfeifen im Walde zu vernehmen… aber auch nur von denen, die die Brisanz erkannt haben. Der Rest glänzt durch Phlegma. Von den beiden Konsumentenverbänden IG-ED und Interessengemeinschaft ExRaucher ist auch nichts zu vernehmen (bei letzterem weiß ich, dass es schlicht daran liegt, dass zu wenige der eigentlich zahlreichen Mitglieder die Initiative ergreifen… wird bei der IG-ED nicht anders sein) und der angekündigte neue Konsumentenverband existiert als Idee seit bald einem Jahr… nur mit der Gründung wird es nix.

Ich fürchte, es wird in nächster Zeit einige Einschläge durch neue Regelungen geben… dann herrscht Heulen und Zähneklappern in der Szene. Mein Mitleid wird sich dann in Grenzen halten, denn Passivität hat dazu geführt… und mir isses eigentlich egal, denn ich bin bis ans Lebensende versorgt.


[1] https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2020/0401-0500/497-20.pdf?__blob=publicationFile&v=1 ; Seite 3, Nr. 2 e)

[2] https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2020/0501-0600/523-20.pdf?__blob=publicationFile&v=1

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