Nicht dampfen, aber wählen

Solange man nicht 18 ist, darf man nicht heiraten (nur ein Gericht kann die Ehemündigkeit im Einzelfall herabsetzen), ist man nur eingeschränkt geschäftsfähig (wesentliche Geschäfte sind nur mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten wirksam), keinen Führerschein machen, an keinen Glücksspielen teilnehmen, keine „schlüpfrigen“ Filme ausleihen, keinen Schnaps kaufen, keine Tabakprodukte in der Öffentlichkeit konsumieren oder erwerben, sich nicht an „speziellen“ Orten (Nachtbars etc.) aufhalten, nicht an der Bundestagswahl als Wähler teilnehmen (aktives Wahlrecht) und nicht in der Öffentlichkeit dampfen und keine entsprechenden Produkte erwerben… nicht einmal OHNE Nikotin.

Die Grenze von 18 Jahren wurde gesetzt, weil man der Meinung ist, es fehle dem Menschen bis zu diesem Alter an geistiger und sozialer Reife, entsprechende Entscheidungen zu treffen.

Und jetzt kommen immer mehr Politiker aus ihren Höhlen gekrochen und fordern ein aktives Wahlrecht bei Bundestagswahlen auch schon für 16-Jährige.

Abgesehen davon, dass Nikotinkonsum im normalen, üblichen Maß auch keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen auf gesunde Menschen hat, betrachte ich hier jetzt nur den Konsum nikotinfreier Atomizer.

Es ist Minderjährigen also nicht erlaubt, ein harmloses, nicht gesundheitsschädliches Feuchtaerosol ohne Abhängigkeitspotenzial mittels Atomizer zu konsumieren (in der Disco oder im Theater, wenn es aus der Nebelmaschine kommt, dürfen sie es sehr wohl), um sie zu schützen, weil sie in dem Alter noch nicht reif genug sind, die Gefahr, die es gar nicht gibt, zu erkennen.

Sie sind noch nicht entwickelt genug, um zu erkennen, wie gefährlich ein ungefährliches Produkt für sie ist. Aber sie sind entwickelt genug, um die Tragweite einer Wahlentscheidung zu erkennen? Oder ist die Entscheidung, Personen an die Macht zu bringen, die für das Schicksal aller Bundesbürger verantwortlich sein werden (am liebsten bald auch nicht nur für vier, sondern für fünf Jahre), so unwichtig, dass man sie ihnen, trotz mangelnder Reife, durchaus zugestehen kann?

Absurdistan!

2 thoughts on “Nicht dampfen, aber wählen

  1. Die Diskussion um das allgemeine Wahlrecht für Jugendliche ist auch unter anderen Gesichtspunkten zu betrachten:
    1. Finanziell:
    Für jede abgegebene Stimme wird ein von der Wahl abhängiger Betrag an die Parteien erstattet. Die 16 – 18 Jährigen würden die potenzielle Wählerschaft, und damit die Einnahmen, um ca. 3 % vergrößern.
    2. Politisch:
    Die Fussball-WM ist vorbei, jetzt braucht man andere Ablenkungen der Wählerschaft.
    3. Ideologisch:
    Junge Wähler gelten als eher linkslastig, weswegen der rechtere Flügel auch am lautesten protestiert.

    Auf kommunaler Ebene ist das etwas anders zu betrachten. Aufgrund des begrenzten Einflusses dieser Ebene wäre das ein geeignetes „Übungsgelände“ für das aktive und passive Wahlrecht. Das könnte in Zukunft so einige Peinlichkeiten auf Landes- und Bundesebene ersparen 😉

  2. Das Wahlrecht ab 16 kann man unterschiedlich betrachten. Die Wähler zwischen 16 und 18 wählen die Grünen oder die FDP. Wer dafür ist sollte klar sein. Nun ändern sich auch die Zeiten. Corona hat für eine Übersterblichkeit gesorgt, die sich bei den Wählern der CDU/CSU und der SPD spürbar ist. Die Wähler zwischen 16 und 18 könnten den Verlust ausgleichen. Von daher könnten nun auch Politiker die Wahl ab 16 fordern, die vorher strikt dagegen waren.

    Das man vielleicht ab 16 wählen darf aber nicht dampfen darf, Auto fahren oder ähnliches ist für die Politik nicht so entscheidend. Die Prioritäten liegen beim Wahlerfolg, der erzielt werden soll. Ob da ganze durchdacht oder gesellschaftlich gerecht ist spielt keine Rolle. Die passenden Argumente dazu denken sich bestimmt schon viele Arbeitsgruppen aus.

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