Haben die allesamt Lack gesoffen?

Vorneweg: Es kann sein, dass ich Anhänger der Sozialwissenschaften oder Sozialwissenschaftler selbst (die für mich in eine Kategorie mit Wunderheilern und Leuten, die mit dem Schattenreich kommunizieren, fallen) mit meinem Text mächtig vor den Kopf stoße. Und wisst Ihr (meine Leser) was? Das ist mir scheißegal!

Nun aber zur eigentlichen Sache!

Heute erschien ein Artikel:

Raucherentwöhnung: Vaping könnte mehr Hindernis als Hilfe sein

(arch) (rdbl) [Deutsches Ärzteblatt]

Und in dem Artikel wird über eine Studie (arch) berichtet, die herausgefunden haben will, dass die Aufhörquote bei Verwendung von Pfrunzeln tatsächlich schlechter ist, als die Quote ohne dieses Hilfsmittel. Und daraus wird geschlossen, dass der Umstieg aufs Dampfen kontraproduktiv ist und es eher verhindert, dass man mit dem Rauchen aufhört.

Wow! Steile These! Und die widerspricht allen bisherigen Studien und vor allem den Erfahrungen von weltweit Millionen Dampfern.

Also… was wurde denn bei der Studie gemacht?

Die „Wissenschaftler“ befragten eine Gruppe von knapp über sechstausend Rauchern. Einmal im Jahr 2017 und dann noch einmal im Jahr 2021.

2017 gaben 228 der Befragten an, neben dem Rauchen auch täglich zu dampfen, 715 dampften ebenfalls, aber halt nicht täglich.

2021 ergab sich nun das Bild, dass von denjenigen, die täglich dampften, inzwischen 20,9 % abstinent, also Nichtraucher geworden waren. 12,6 % der Raucher, die nicht täglich gedampft haben, waren abstinent und 14,3 % der Raucher, die gar nicht dampften, hatten den Absprung geschafft.

Das ist nun aber ein Beleg dafür, dass das Dampfen tatsächlich eine sehr effektive Methode ist, um vom Rauchen wegzukommen. Nach diesen Zahlen ist es ein erfolgversprechender Ansatz, durch täglichen Pfrunzel-Konsum das Rauchen zu entwöhnen… effektiver als nicht zu dampfen.

Dass die „Gelegenheitsdampfer“ schlechter abschneiden, ist eigentlich auch ganz logisch. Das sporadische Dampfen spricht eher dafür, dass kein Entwöhnungswille oder Entwöhnungsgedanke vorhanden ist, oder dieser keine hohe Priorität hat. Dieses Verhalten spricht eher dafür, das Dampfen als Genussmittel-Ergänzung oder als Mittel zur Umgehung von Rauchverboten zu nutzen.

So… und damit wäre die Sache gegessen, es gäbe eine weitere Studie, die das Dampfen als wirkungsvolle Methode zur Tabakentwöhnung zeigt und der Titel des Artikels im Ärzteblatt hätte lauten müssen: „Vaping ist eine Hilfe bei der Raucherentwöhnung„.

STOP! So geht das nicht! Offenbar sollte bei der Studie genau das Gegenteil herauskommen. Und nun DAS! Scheiß Zahlen! Das wollten sie wohl so nicht.

Und nun?

Damit vergnatzt man doch die Hintermänner, die eine negative Studie bestellt hatten.

Da muss man doch was machen!

Nun, da holt man sich Rat bei den Budenzauberern von den Sozial“wissenschaften“.

Und die zaubern – schwupps, von einem Gummiband im Ärmel in die Hand katapultiert – die Karte mit der Aufschrift „Propensity score matching“ hervor.

Mit diesem Werkzeug lassen sich alle Zahlen so verdrehen, dass sie das gewünschte Ergebnis liefern.

Ich habe mir dieses Konzept mal angeschaut. Bitte seid mir nicht böse, wenn ich da nicht wirklich detailliert drauf eingehe. Wer genau wissen möchte, welcher billige Taschenspielertrick hier als vermeintlich wissenschaftliche Methode angepriesen wird, und welche vermeintlichen Probleme bei repräsentativen Erhebungen damit behoben werden sollen, der möge sich intensiv selbst in das Thema einlesen.

Mich – als Anhänger des naturwissenschaftlichen Denkens und Arbeitens – hat es etliche Male echt geschüttelt.

Nur ganz kurz umrissen: Es geht um eine SCHÄTZUNGSmethode für Kausaleffekte. Man stellte fest, dass man bei einem einzelnen Individuum ja nicht feststellen kann, wie es einmal mit dem zu untersuchenden Moment und einmal ohne das zu untersuchende Moment läuft. Es geht nur entweder – oder.

Im Fall hier kann man nicht sagen, was aus dem Raucher, der täglich gedampft hat, denn geworden wäre, wenn er eben nicht täglich gedampft hätte.

Ja. So isses halt. Beobachtungsstudien sind nunmal so. Deshalb, genau DESHALB versucht man möglichst repräsentative Gruppen zu finden und die noch möglichst groß, um diesen Effekt durch quantitativen Ausgleich zu minimieren.

Nun… die Sozial“wissenschaftler“ haben dafür eine andere Methode. Sie nehmen zu jedem Teilnehmer ein ausgedachtes Pendant mit anderen Voraussetzungen (hier wäre es also ein Nicht-Dampfer) und SCHÄTZT, was denn dabei herausgekommen wäre. Dafür werden recht dubiose Wege gewählt… und im Endeffekt kann man die Formel so manipulieren, dass genau das herauskommt, was man sich vorher gewünscht hat.

Die ganze Sache ist in meinen Augen derart unwissenschaftlich, dass es genau zu den Sozial“wissenschaften“ passt. Wie die Faust auf Auge! Ich mach‘ mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt…

Und das vermeintlich seriöse Ärzteblatt nimmt nun diesen Budenzauber als wissenschaftliche Erkenntnis an, und meint, dass das Dampfen beim Rauchstopp hindert.

Und es gibt inzwischen genügend Idioten, die solch einen Schwachsinn nicht hinterfragen und den Bullshit als Wahrheit annehmen. Fehlt nur noch die Aussage, dass sich die Wissenschaft in diesem Punkt „einig“ sei (eine absolut wissenschaftsfeindliche Aussage).

Die haben doch echt alle Lack gesoffen, oder?

Vermeintlich wissenschaftliche Beweise mit dem Schätzeisen… traurig…

Ein Kommentar

  1. Was Studien angeht sollte man wirklich doppelt kritisch sein…
    Hab nicht mal mehr eine einzige Kippe gerollt nach dem ich die erste Dampfe in der Hand hatte.
    Die Leute die nicht von der Kippe weg kommen, sind vermutlich wie oben gesagt Ergänzungsdampfer oder haben einfach noch nicht ihren richtigen Dampfweg gefunden der sie vom Verbrennungsstänngel weg bringt. Ok oder eben es ist psychisch.

    Wie kann man noch rauch, wenn man dampft? Das befriedigende Gefühl beim einatmen des Dampfes… Das Nikotin was einem ins Blut strömt… Das voluminöse Gefühl im Hals und beim ausatmen… 🥹

    Ich werd sentimental und bekomme Tränen in den Augen.
    Scheiss die Kippenpakung einfach weg und immer wenn du daran denkst, nimmst du einen feinen Zug an deiner leckeren Dampfe, was ist so schwer daran? 😍

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